Action-Produzent : Der Herr der Blechschäden

Deutschlands erfolgreichster Action-Produzent: Ex-Stuntman Hermann Joha lässt es im TV krachen

Thomas Gehringer

Wer als Besucher auf den Parkplatz der Firma Action Concept fährt, bekommt ein wenig Angst. Überall stehen hier Autos, einige Wagen sind erkennbar ausrangiert, auf einem stark demolierten Exemplar ohne Scheiben wurde in großen Buchstaben „Kein Schrott“ gepinselt. Parkt man hier das eigene Fahrzeug an der falschen Stelle, so fürchtet man, könnte es versehentlich zum größten Abenteuer seines Lebens abgeholt werden und bei einer Stunt-Nummer durch die Luft fliegen. Aber die Angst ist unbegründet, Johas Leute passen auf.

Hermann Joha, 48, ist Deutschlands erfolgreichster Action-Spezialist. Zusammen mit seinen Mitarbeitern produziert er buchstäblich den meisten Schrott im deutschen Fernsehen. Hier, auf dem Gelände seiner Firma Action Concept in Hürth bei Köln lagert ein Teil der Requisiten, wie sie beispielsweise für „Alarm für Cobra 11“ gebraucht werden. Kürzlich ist die 13. Staffel der RTL-Serie angelaufen und den Zuschauern fliegen Autos und explodierende Hubschrauber nur so um die Ohren. Genau wie bei früheren Action-Concept-Serien wie „Clown“, bei den „Motorradcops“ oder den „Wilden Engeln“. Um all die Blechschäden ungestört drehen zu können, baute Action Concept vor drei Jahren im Kreis Düren bei Aachen sogar ein eigenes Stück Autobahn.

Zurzeit experimentieren RTL und Joha erstmals mit einer täglichen Action-Serie: „112 – Sie retten dein Leben“ läuft am späten Nachmittag. 80 Folgen sind gedreht, pro Tag jeweils eine – eine Billig-Soap, die nicht billig aussehen darf, mit nicht so vielen und spektakulären Actionszenen wie beim „Clown“, dafür „seifiger“. Es menschelt gewaltig unter den Polizisten, Feuerwehrleuten und Sanitätern bei „112“, doch das Miteinander wirkt vorerst hölzern und steif.

Von billig kann aus Johas Sicht dennoch keine Rede sein. Der ehemalige Stuntman produzierte die ersten fünf Folgen auf eigene Kosten, um RTL von der Serie überzeugen zu können. Der gebürtige Franke hat sein Draufgängertum gewissermaßen umgelenkt. Mit 15 Jahren trampte er zum ersten Mal durch Europa, mit 17 schloss er sich den englischen Auto-Artisten „Hell Drivers“ an. Er versuchte sich als Rennfahrer, gründete dann mit 22 seine erste Stunt-Firma in Düsseldorf, stellte Unfälle für den „7. Sinn“ nach und riskierte für zahlreiche Schauspieler in Filmen und Serien Kopf und Kragen. In Berlin ist er mal mit einem Motorrad die Treppe vor dem Europacenter heruntergeholpert und anschließend mit einem Salto in den Brunnen gesprungen. Er sei „einer der ganz wenigen in Deutschland, die mit dem Helikopter einen Looping fliegen können“, erklärt Joha. Mit dem firmeneigenen Hubschrauber ist er nur noch selten unterwegs, denn inzwischen arbeitet Joha nicht mehr als Stuntman und für sein waghalsiges Hobby fehlt ihm meistens die Zeit. „Die Stunts, die ich jetzt mache, haben mit Finanzierung und Banken zu tun“, sagt Joha ironisch.

Auch auf den Nervenkitzel, wie die Einschaltquoten jeden Tag aufs Neue ausfallen, würde er wohl gerne verzichten. Joha setzt der Stress der Unkalkulierbarkeit sichtlich zu. Warum das eine Projekt erfolgreich sei und das andere nicht, bleibe für ihn ein Stück weit ein Rätsel. Das Risiko sei enorm und bei der Entwicklung neuer Stoffe fühle er sich von den Sendern allein gelassen. Auch wenn Joha betont, dass RTL sich am Entwicklungsbudget von Action Concept beteiligt, sagt er: „Die Sender müssten viel mehr Geld in die Hände nehmen, dann hätten wir auch eine ganz andere Serienlandschaft.“ Stattdessen sitzt Joha vor dem Fernseher, schaut „CSI Miami“ und denkt, dass er so eine umfangreiche Serie auch gerne drehen würde.

Joha stimmt das zum Teil sicher berechtigte Klagelied eines Produzenten an, andererseits liebt er auch das Risiko. Er könne seine Firma klein und übersichtlich halten, „aber das macht ja keinen Spaß“. Zugleich ist er nicht der Typ, der Glamour und den großen Auftritt mag, der vor Journalisten übermäßig mit seinen Preisen und Erfolgen prahlt. Viermal hat seine Firma den Action-Preis „Taurus World Stunt Award“ in Hollywood abgeholt. Doch seine Erfolge in Deutschland würden ihm im Ausland gar nichts nutzen, sagt er. „Sie finden in Amerika keinen Sender, der auch nur ansatzweise daran denkt, irgendetwas aus Europa zu kaufen.“ Auch auf europäischer Ebene sei es wegen der großen Vielfalt nicht einfach. „Die ticken alle völlig anders. Wer will schon in Italien den ,Schuh des Manitou’ sehen?“

Der Erfolg seines Klassikers „Cobra 11“, der in den vergangenen 13 Jahren in 100 Länder verkauft wurde, sei nur eine Ausnahme von der Regel. In der kürzlich neu gestarteten „Cobra“-Staffel spielt Tom Beck statt Gedeon Burkhard den Kriminalhauptkommissar Ben Jäger an der Seite von Semir Gerkan (Erdogan Atalay). Es wird humorvoller, nicht mehr so sehr „Tatort auf vier Rädern“ (Joha), sondern eine Art „Leathel Weapon“ auf Deutsch. Für RTL produziert Action Concept zurzeit am zweiten Firmenstandort in Berlin, wo Joha seit 1997 eine zweite Wohnung hat, die Martial-Arts-Serie „Lasko“ mit Mathis Landwehr als schlagkräftigem Mönch. Joha schwärmt von der Serie, die im Frühjahr 2009 starten soll – doch sein Traumprojekt sieht anders aus. Mit selbstbewussten Investoren würde er gerne für 20 Millionen einen Film drehen, der die Action von ,Bourne Identity’, ,The Transporter’ und ,James Bond’ vereint. „Der würde definitiv besser aussehen als eine 100-Millionen-Dollar-Produktion in Amerika. Das würde ich gerne beweisen“, sagt Joha.

Vorerst muss er sich auf kleinere Klimmzüge beschränken. Zu diesem Zweck klemmt in der Tür eine Stange mit zwei großen Kunststoffschlaufen. So etwas habe auch der Arnold Schwarzenegger im Büro, sagt Joha, führt ein paar Übungen vor und sieht dabei definitiv fitter aus als jeder andere Fernsehproduzent in Deutschland.

„112 - Sie retten dein Leben“, 17 Uhr, „Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei“, Donnerstag, 20 Uhr 15, beides RTL

Hermann Joha, 48, war früher Pilot für Helikopter und startete mit 17 Jahren seine Karriere als Stuntprofi. Als Unternehmer hat er heute kaum noch Zeit für waghalsige Loopings.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben