Adels-Serie wird fortgesetzt : „Downton Abbey“ geht im ZDF in die zweite Staffel

Die Adels-Serie „Downton Abbey“ geht in ihre zweite Staffel. Die Geschichten sind in Großbritannien ein Straßenfeger.

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Umbruch. Auf „Downton Abbey“ ist das Personal knapp, weil Angestellte an der Front dienen. Butler Carson (Jim Carter, M.) hat beim Servieren einen Zusammenbruch erlitten. Foto: ZDF
Umbruch. Auf „Downton Abbey“ ist das Personal knapp, weil Angestellte an der Front dienen. Butler Carson (Jim Carter, M.) hat beim...

Vieles hat sich verändert. Der Erste Weltkrieg ist ausgebrochen und hat Europa erfasst. Auch vor den heiligen Hallen von Downton Abbey macht er nicht halt. Schwiegersohn und Downton-Erbe Matthew (Dan Stevens), die große Liebe von Lord Granthams Tochter Lady Mary (Michelle Dockery), ist in Frankreich im Schützengraben, ebenso der junge Downton-Diener William (Thomas Howes). Ihre Schicksale werden die gesamte Crawley-Familie auf Downton Abbey beeinflussen, prägen, verändern. Nach dem Ersten Weltkrieg ist in diesem Mikrokosmos, den Downton widerspiegelt, nichts mehr so, wie es zuvor, in Staffel eins, einmal war.

Wenn „Downton Abbey“ läuft, sind die Pubs leer

Die zweite Staffel von „Downton Abbey“ spannt einen zeitlichen Bogen von vier Jahren. Sie setzt 1916 ein und endet mit dem sogenannten 90-minütigen „Christmas Special“ zum Jahreswechsel 1919/1920. Das ZDF zeigt sie nun als deutsche Free-TV-Premiere zu Weihnachten, derweil hierzulande schon die dritte Staffel als DVD-Box in den Läden steht. „Downton Abbey“ ist ein Serien-Epos über eine Familie, welches im Jahre 1912 einsetzt, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Geschichten sind in Großbritannien ein Straßenfeger. Wenn „Downton Abbey“ läuft, sind die Straßen und Pubs und Teehäuser leer. Wahrscheinlich sitzt selbst die Queen vorm Bildschirm in Buckingham Palace und fiebert mit den Crawleys, mit Liebschaften und Intrigen, mit sozialen Unterschieden zwischen upstairs der Abbey und downstairs der Dienerschaft, den daraus resultierenden Missständen und Konflikten.

Für die bald 80-jährige Maggie Smith gab's einen Emmy

Geschrieben wurde „Downton Abbey“ von Julian Fellowes, Oscar-prämiert für Robert Altmans „Gosford Park“ (2002). Jedes Detail muss stimmen, alles muss passen. Fällt Fellowes in abgedrehten Szenen eine Unstimmigkeit auf, so muss nachgedreht werden. Die Krönung der famosen Darsteller-Riege ist Maggie Smith („Tod auf dem Nil“) in dem Part der Violet Crawley, Countess von Grantham, Mutter des Lords: störrisch und besserwisserisch, hochnäsig und snobistisch, viktorianisch bis auf die Knochen. Ein messerscharfer Blick von ihr kann Schweigen auf ganz Downton bis hinunter zum Dorf hervorrufen. Bei alledem ist sie verständig und umsichtig. Von der Familie wird sie schlicht nur „Granny“ genannt. Die bald 80-jährige Maggie Smith wurde hierfür 2011 mit dem Emmy ausgezeichnet sowie 2013 mit dem Golden Globe. Dialoge wie der folgende, als der oberste Butler Charles Carson (Jim Carter) und Lady Mary eine Schallplatte auf das erste hauseigene Grammofon legen und Lady Violet zufällig durch die Halle promeniert, machen ihre Auftritte zur pikiert-pikanten Delikatesse: „Herrgott, was ist das denn?“ „Ein Grammofon.“ „Wenn die Lunte gezündet wird, sollte man wohl lieber Abstand halten.“

Zu Weihnachten gibt's ein „Christmas Special“

Im Herbst wurde in Großbritannien bereits die neue vierte Staffel mit ihren acht Folgen erstausgestrahlt. Am 22. September ging es los, und wieder saßen Millionen gebannt vor den Bildschirmen. Am 25. Dezember 2013 nun schließt diese neueste Staffel in England wieder mit dem „Christmas Special“. Da ist die Serie längst in den „Roaring Twenties“ angelangt, den glitzernden 1920er Jahren zwischen den beiden Weltkriegen. 34 Einzelfolgen waren dann dort bis dahin zu sehen. Und erneut gilt: Geduld. Nur Geduld. Eine Nation sieht sich selbst zu, dabei, wie es vor beinahe 100 Jahren zuging im eigenen Land der Monarchie. Dabei auch, wie Tradition und Moderne einander annähern. Für die traditionsbewussten Briten zumindest ist „Downton Abbey“ auch eine Form der nostalgisch-wehmütigen Selbstbespieglung.

Dass auch 220 weitere Länder daran großen Gefallen finden, seit dem Start am 26. September 2010 eine regelrechte „Downton Abbey“-Sucht entwickeln, mag viel darüber erzählen, wie es um diese globalisierte Welt bestellt ist. Der Erfolg der Serie ist ein Phänomen in schnelllebigen Social-Media-Zeiten. Eines, das eine tiefe Sehnsucht zu befriedigen scheint: nach Tradition. Es ist eine Zeitreise in eine untergegangene Epoche. Anno dazumal, als auf die Menschen und die Dinge noch Verlass war. Ach, ein Glück ist es: Drehbuchautor Julian Fellowes sitzt längst schon an den Drehbüchern für Staffel fünf.

„Downton Abbey“, ZDFneo, 20 Uhr 15; ab Sonntag, 17 Uhr, im ZDF

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