Medien : Adenauer-Preis: Lob dem Lokaljournalismus

André Görke

Nach zwei Stunden des Redens, des Lobens und der vielen kleinen Witze wurde es noch einmal ernst. „Journalisten sind keine vierte Gewalt, auch wenn diese vermutlich von Journalisten erfundene Bezeichnung schmeicheln mag“, mahnte der Intendant des Deutschlandradios, Ernst Elitz. Scharf kritisierte er all jene in der Branche, die sich einen Presseausweis besorgten, um damit Rabatte beim Kauf von „Kühlschränken und Autos“ zu erhalten. „Die Wächter unter den Journalisten sind das kleine Fähnlein der Aufrechten“, sagte Elitz beim Symposium am Rande der Verleihung des 25. Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung. Elitz forderte mehr Seriosität in der Branche, die Abkehr vom „semiprofessionellen Eiertanz“ und auch die Unterstützung der Verleger, nicht nur ökonomisch zu denken, sondern auch publizistisch.

Es war ein großes Themengebiet, das am Sonntagnachmittag im Haus der Konrad-Adenauer-Stiftung im Tiergarten angesprochen wurde. Die Lokalredaktion als Moderator, Schriftsteller, Übersetzer und eben auch Wächter. Und dabei bleibe sie immer, wie Elitz sagte, „Bürgerbeauftragter“ und „ein Instrument, um Bürgern zu helfen“. Es sei immer einfacher, aus dem Elfenbeinturm die Dinge zu betrachten, sagte Christoph Stölzl, CDU-Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Der Lokaljournalismus dagegen werde unterschätzt. „Menschen interessieren sich am meisten für Menschen“, sagte Stölzl, den Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt im großen Saal des Hauses begrüßte. „Lokaljournalismus gibt dem Abstrakten ein Gesicht“, sagte Stölzl. „Er schafft es, Menschen aus der Statistik rauszuholen.“

Bevor am Montag im Schloss Charlottenburg die Preisverleihung stattfindet, richtete auch „Chrismon“-Chefredakteur Arnd Brummer kritische Worte an die Branche. Lokaljournalismus dürfe sich nicht anbiedern und die Leser sprachlich unterfordern. Gerade junge Journalisten sollten an ihrem Stil arbeiten und nicht nur schreiben, dass etwas „schön oder toll“ sei. Davon habe der Leser genauso wenig wie von „Fakten, Fakten, Fakten“. „Ich bin froh, dass es noch Nebensätze in der Zeitung gibt“, sagte Arnd Brummer, gab allerdings zu, dass auch er in jungen Berufsjahren schon einmal heftig daneben lag mit seinen kreierten Sprachbildern.

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