Medien : Ärmer, aber ehrlicher

Das ZDF will die Werbeauftritte in seinen Sendungen reduzieren

Joachim Huber

Das ZDF will Deutschlands ehrlichster Fernsehsender werden. Nicht, dass künftig alle Kooperationen mit Partnern aus der Wirtschaft für die Produktion von ZDF-Sendungen aufgegeben würden, aber die Praxis und die Praktiken dieser Zusammenarbeit mit Dritten sollen stärker geregelt und intensiver kontrolliert werden. Für Intendant Markus Schächter steht schon heute außer Frage, dass die vergangenen und aktuellen Kooperationen die „journalistische Unabhängigkeit des Senders“ nicht beeinträchtigten, wie er am Freitag nach der Sitzung des ZDF-Fernsehrates in Potsdam sagte. Es gebe „keine Grauzonen“, betonte Schächter vor allem mit Blick auf die Recherchen des Evangelischen Fernsehdienstes, wonach die Zusammenarbeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders mit Dritten enger ist als bisher (auch der ZDF-Spitze) bekannt. So waren in der Serie „Sabine!“ gleich vier Partner mit Werbebotschaften platziert worden.

Der Umfang dieser Geld- und Sachleistungen ist keineswegs gering. Nach Angaben des Fernsehratsvorsitzenden Ruprecht Polenz belief sich die Gesamtsumme dieser etatisierten Leistungen in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf 20 bis 23 Millionen Euro. Wobei die Summe, so Schächter, rückläufig sei und weiter rückläufig sein werde. Das ZDF werde auf die Nutzung von 0190er-Telefonnummern künftig ebenso verzichten wie der Sender die Zahl von Gewinnspielen auf dem Bildschirm verringern möchte, bei denen die Zuschauer beim Sender anrufen müssen. Außerdem sollen in den Abspännen der Sendungen die Kooperationspartner genannt werden.

Ruprecht Polenz erinnerte daran, wie sehr es das öffentlich-rechtliche Profil erfordere, jeglichen „Kommerzialisierungstendenzen“ entgegenzuwirken. Die Frage der Grenzziehung zwischen zulässigen und problematischen Kooperationen werde im Fernsehrat weiter diskutiert, sagte er. Polenz sagte, es wäre weltfremd anzunehmen, dass Kooperationspartner nicht versuchen würden, in Programmen eigene Ideen einzubringen.

ZDF-Mitarbeiter räumten ein, dass es durchaus problematische Fälle gegeben habe und weiterhin geben könnte. Weniger die journalistischen als die fiktionalen Programme seien dafür anfällig, insbesondere der Bereich der Spielserien. Hier werde der Kostendruck an die Produzenten weitergereicht, die dann „versuchen müssen, eine eine Million Euro teure Produktion nach 1,2 Millionen aussehen zu lassen und tatsächlich nur 900 000 Euro auszugeben“, wie ein Mitarbeiter berichtete. Da sei es nur natürlich, dass der Produzent in Wirtschaftskreisen nach den berühmten Drittmitteln fahnde und dafür den VW-Beetle, wie bei „Sabine!“ geschehen, ins Drehbuch schreiben lasse. Künftig, so kündigte Programmdirektor Thomas Bellut an, „müssen die Produzenten bei der bereits eingerichteten Clearing-Stelle des ZDF alle Verträge und Vereinbarungen offen legen.“ Auch dem ZDF ist aufgefallen, dass Kommissarin „Rosa Roth“ bei ihrer letzen Fahndung mit einem VW-Phaeton unterwegs war, ein Wagen, der keinesfalls der Gehaltsklasse dieser Polizistin entspricht. Beim nächsten Fall fährt „Roth“-Darstellerin Iris Berben keinen Phaeton mehr. Nur noch der Produzent.

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