Afghanistan-TV : Eine Frage des Respekts?

Das ZDF zeigt eine Doku-Fiction zum Bombenabwurf auf die Tanklastzüge bei Kunduz. Oberst Georg Klein wird von Götz Schubert dargestellt.

Hendrik Feindt
Kunduz, Afghanistan, am Abend des 3. September 2009. Zwei entführte Tanklastzüge haben sich festgefahren. Der Taliban bedroht den Fahrer mit seiner Waffe. Foto: ZDF
Kunduz, Afghanistan, am Abend des 3. September 2009. Zwei entführte Tanklastzüge haben sich festgefahren. Der Taliban bedroht den...

Die Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Luftangriff bei Kunduz waren sich einig. Georg Klein, Oberst der Bundeswehr und im September 2009 verantwortlich für den Bombenabwurf auf zwei entführte und in einem Flussbett havarierte Tanklastzüge in Nordafghanistan, verdiene Respekt: Respekt für sein „offenes Visier“, für sein authentisches und freimütiges Auftreten vor dem Ausschuss — mit Fug und Recht hätte er schließlich die Aussage verweigern können. Dass der Abwurf damals die Tötung von weit mehr als hundert hinzugekommenen Bewohnern aus den umliegenden Dörfern bedeutet hatte, war für einen kurzen Augenblick aus dem Blickfeld geraten.

Die Aussagen Oberst Kleins haben sich nun Winfried Oelsner, Mathis Feldhoff, Andreas Huppert und Birgit Maiwald zur Leitschnur genommen, um sich in einer Doku-Fiction mit der Nacht des Bombenabwurfs von Kunduz zu beschäftigen. Das ist eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Die Autoren machen sich größtenteils von einer einzigen Quelle abhängig, in demselben Maße, wie sich Oberst Klein bei seiner Entscheidung selbst von einer einzigen Quelle, dem kolportierten Telefonkontakt mit einem afghanischen Informanten, hatte leiten lassen.

Das Ergebnis ist bekannt: Kleins Entscheidung gilt heute als militärisch unangemessen, um nicht zu sagen: als falsch, mit tödlichen Folgen. Die Autoren der Sendung beabsichtigen zwar keine Revision dieses Bildes. Sie verhehlen auch nicht, dass Klein den Alternativvorschlag eines Bomberpiloten ausschlug. Der bestand darin, durch einen Tiefflug, eine show of force, die Menschen um die Tankfahrzeuge zu vertreiben und die Fahrzeuge hernach zu zerstören. Aber sie werben um Verständnis: Um Verständnis für die Situation eines Obersten, die von Ängsten und Bedrängnissen geprägt war. Eingeflochten sind zu diesem Zweck Interviews mit dem damaligen Verteidigungsminister, mit einem hochstehenden General und mit einem Parlamentarier, der sich seinerzeit in der Öffentlichkeit weitaus kritischer geäußert hatte, als es jetzt die Gesprächsauszüge ausdrücken. Und dass die Rolle Georg Kleins von dem Schauspieler Götz Schubert verkörpert wird, der jenem auf überzeugende Weise ein einvernehmliches Maß an Offenheit und Besonnenheit, an Verdienst und Respekt verleiht, versteht es bestens, den Eindruck im gewünschten Sinne abzurunden.

Der tödliche Befehl, ZDF, 22 Uhr 45

5 Kommentare

Neuester Kommentar