Medien : Afrika, Drogen, Abschiebung...

Der „Tatort“ aus Hamburg geizt nicht mit Problemen

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Korruption im Abschiebegefängnis, illegale Medikamententests und Menschenhandel – schon erstaunlich, was die Drehbuchautoren Christoph Silber und Thorsten Wettcke an Themen in die 90 Minuten des „Tatort: Schattenspiele“ hineingezwängt haben. Entsprechend düster sind die Bilder im Krimi aus Hamburg: lange Gefängnisflure, kleine Zellen, in denen die Häftlinge auf ihre Abschiebung warten. Gegen die weiß strahlenden Gitterfenster zeichnen sich schwarz nur ihre Umrisse ab, immer wieder verdeckt durch Gitter und Zäune.

Ein afrikanischer Abschiebehäftling ist vergiftet worden. Der Kriminalist Eduard Holicek (Tilo Prückner) meint, in dem Toten einen kenianischen Austauschstudenten wiederzuerkennen, der jedoch schon vor 20 Jahren gestorben ist. Mit der Dienstwaffe des damals jungen Kriminalisten hatte sich der Student erschossen. Doch Holicek findet für seine Vermutung keine Beweise. Alleine jagt er seinen Erinnerungen nach und beginnt dabei mehr und mehr an sich selbst zu zweifeln.

Holiceks Vorgesetzter Jan Casstorff (Robert Atzorn) folgt einer anderen Spur. Er verhört den jungen Mithäftling des Toten. Dieser ist in Deutschland aufgewachsen und soll nun wegen geringer Drogendelikte in sein Heimatland abgeschoben werden, das er nicht kennt. Trotz Bemühungen kann auch Kommissar Casstorff ihm nicht helfen und die Abschiebung verhindern. Die Gesetze und Regeln der Behörden bleiben so unverrückbar wie die Betonwände im Polizeikommissariat und im Abschiebegefängnis.

Es ist ein „Tatort“ mit moralischem Anspruch. Mit emporgerecktem Zeigefinger wird dem Zuschauer erzählt, wie schrecklich es in einem Abschiebegefängnis zugeht. Neues erfährt er nicht, vielmehr kann er hier alle vermuteten Klischees bestätigt bekommen.

In seinen besseren Szenen ist der Film von Regisseurin Claudia Garde mit einem einsam-melancholischen Grundton inszeniert. Das aber scheint dem „Tatort“ aus Hamburg keinesfalls zu genügen. In der Schlusssequenz fragt Casstorff den jungen Häftling, der gerade in den Bus zum Flughafen einsteigt: „Wie nenne ich dich eigentlich richtig: Farbiger oder Schwarzer?“ Und dieser – vorher eher umgangssprachlich und mit ausländischem Akzent sprechend – antwortet nun in lupenreinem, poetischem Deutsch: „Wie wäre es mit Mensch!“ Das Wort zum Sonntag ist gefallen. lak

„Tatort: Schattenspiele“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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