Afrika im Fernsehen : Selbst ist der Botschafter

Walter Sittler räumt als Diplomat in Sambia mit Korruption und Medikamentenschieberei auf

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Foto: ZDF
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„Geben Sie mir mal den Werkzeugkasten“, fordert Botschafter Sebastian Gerber (Walter Sittler) seine Assistentin (Ulrike Krumbiegel) auf, die sich freilich über solche Betätigungen nur wundern kann. „Sollen wir vielleicht einen Handwerker rufen“, fragt sie, doch Gerber winkt ab: „Ich bin Seiteneinsteiger, von Beruf gelernter Werkzeugschlosser“, eine Fähigkeit, die man in Sambia offensichtlich gut gebrauchen kann.

Im ZDF-Film „Auftrag in Afrika“ gibt Walter Sittler den unkonventionellen Diplomaten, joggt verschwitzt durch Lusaka und scheut sich nicht, Probleme entschieden und vor allem selbst zu beseitigen. Mitunter macht er am Wasserrohr sogar einen besseren Eindruck als im diplomatischen Dienst. Den Posten als Botschafter in Dublin hat er gerade erst verloren, weil er mit seinen Aussagen zum Thema Abtreibung sowohl die irische Regierung als auch den Vatikan brüskierte. Wie einst bei Pater Brown wird der forsche Diplomat zwangsversetzt – nach Namibia.

Was Gerber dort erlebt, ist alles andere als erheiternd. Erst vor kurzem konnte der TV-Zuschauer im Ersten sehen, wohin die Geschäfte windiger Pharmafirmen mit der Aids-Epidemie in Afrika führen können. In der dreistündigen Verfilmung von Henning Mankells Roman „Kennedys Hirn“ hatte Iris Berben in der Rolle einer Archäologin den Tod ihres Sohnes aufgeklärt, der sich als Journalist zu intensiv mit den kriminellen Machenschaften auf dem schwarzen Kontinent beschäftigt hatte.

Der ZDF-Film an diesem Montag (Buch: Daniel Maximilian und Thomas Pauli) hält sich ebenfalls nicht mit langen Vorreden auf. Gleich zu Beginn werden mehrere Kartons mit einem deutschen Wappen im Siegel mitten in der Savanne von einem Geländewagen auf den anderen verladen, Geld wechselt den Besitzer. Direkt nach dem Antrittsempfang wird Botschafter Gerber gefragt, wo denn die mit deutschen Geldern subventionierten Aids-Medikamente, die ein bayerisches Pharmaunternehmen nach Sambia geschickt hat, geblieben sind. Darauf weiß auch Gerbers langjähriger Freund, der Wirtschaftsattaché Klaus Märtens (Max Herbrechter), keine Antwort. Außer der, dass sich die Leiterin des örtlichen Krankenhauses Karen Schönfeld (Katharina Abt), bei der es sich um Gerbers Jugendliebe handelt, ohnehin pausenlos bei der Regierung beschwert. Und damit das diplomatische Leben nicht langweilig wird, hat sich der Außenminister zu Besuch angekündigt. Zuvor allerdings trifft Gerbers Tochter Lilly (Susanne Bormann) ein, die für ihr Medizinstudium ein Krankenhauspraktikum absolvieren will. Und Vater Sebastian weiß auch schon, wo.

Für die Rolle des zupackenden Botschafters ist Sittler – seit 2007 Kommissar Robert Anders in der ZDF-Reihe „Der Kommissar und das Meer“ – eine ideale Besetzung, nicht nur im beruflichem Auftritt im Anzug, sondern genauso in den menschlichen Momenten, an denen Regisseur Sigi Rothemund nicht gespart hat. Vielleicht ist die einzige Schwäche dieses Filmes, dass er zu viel will: zum einen ein harter Thriller mit dem Anspruch zu sein, auf die schier unlösbaren Probleme Afrikas hinzuweisen und zum anderen eine die Geschichte einer Liebe zu erzählen, die eine zweite Chance verdient hat. Kurt Sagatz

„Auftrag in Afrika“, ZDF, 20 Uhr 15

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