Medien : Agamben, Haas und ein Nichts

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Zum Schuldigsein gehört in zivilisierten Gesellschaften auch ein gewisses Maß an geistiger und seelischer Gesundheit. Ein kranker Straftäter kommt nicht ins Gefängnis, sondern in die geschlossene psychiatrische Klinik. Die Autorinnen Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz haben eine dieser Anstalten besucht. Im Feature „Vermindert schuldfähig“ erzählen Patienten ihre Lebens- und Unheilsgeschichten. Therapeuten reflektieren über Möglichkeiten und Grenzen der ärztlichen Kunst (Kulturradio, 10. August, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Der italienische Philosoph Giorgio Agamben ist beliebt bei den hiesigen Intellektuellen. In rascher Folge kommen Bücher auf den Markt. Dabei schreibt Agamben über recht abseitige Themen. Er diskutiert Probleme der mittelalterlichen Theologie und befasst sich mit vergessenen ästhetischen Theorien. Aber dann finden sich Sätze, die jeden zeitgenössischen Sinnsucher in Verzückung geraten lassen. In seinem Feature „Das Raunen des Philosophen“ versucht Michael Schornstheimer, das Phänomen Agamben zu ergründen. Was macht den Kultwert des Italieners aus? (Deutschlandradio Kultur, 11. August, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz)

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Die Bücher des Österreichers Wolf Haas zählen zum Besten der zeitgenössischen Krimiliteratur. Wer die Verfilmung seines Romans „Silentium“ verpasst hat, könnte es nun mit der Hörspielfassung versuchen. Detektiv Brenner ermittelt im schönen Salzburg. Ausgerechnet im katholischen Gymnasium finden Schüler Teile einer menschlichen Leiche. Während vor den Kulissen die berühmten Festspiele zelebriert werden, dräut dahinter düsteres Unheil (Deutschlandfunk, 13. August, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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Auch Herrmann Nitsch kommt aus Österreich. Vor fast 50 Jahren hat er den „Wiener Aktionismus“ erfunden. Eine aggressive Kunstpraxis, die mit bürgerlichen Tabus kurzen Prozess machen wollte. Nitsch schlachtete öffentlich Tiere und ließ ihr Blut über nackte Leiber fließen. Mit der christlichen Symbolik spielte er Katz und Maus. Einst war Nitsch ein böser Mann, heute ist er weltberühmt und seine Werke hängen in den großen Museen. Mahmoud Lamine hat den Künstler porträtiert. „Und es hat mit dem Nichts etwas zu tun“ heißt sein Feature (Deutschlandradio Kultur, 13. August, 18 Uhr 05).

In Gustave Flauberts satirischem Roman „Bouvard und Pécuchet“ führen die beiden Titelhelden ihr Leben streng nach den Regeln der bürgerlichen Vernunft. Aufgeklärtsein als Hobby und Obsession: Bouvard und Pécuchet studieren Gartenbau, Astronomie, Philosophie und viele andere Wissenschaften, um ihre private Existenz zu einem Kunstwerk zu machen. Aber die hochgelehrten Dilettanten scheitern. Das Leben ist komplizierter als die Bücher. Die Hauptrollen der schönen Hörspielfassung spielen Ulrich Wildgruber und Hermann Lause (Deutschlandfunk, 13. August, 20 Uhr 05).

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Wer Hörspiele unter freiem Himmel hören möchte, könnte am Wochenende zum Freiluftkino im Volkspark Friedrichshain pilgern. Ein Feature über Cannabis und seine Konsumenten, ein Hörspiel über einen kauzigen Insektenforscher und ein Berliner Krimi stehen auf dem Programm (13. August, 18 Uhr; 14. August, 16 und 18 Uhr).

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