Aktion für Flüchtlinge : Wie Stille zum Hit wurde

Eine Schweigeminute stürmt die iTunes-Charts in Österreich. Der Musiker Raoul Haspel möchte so Spenden für Flüchtlinge sammeln. Ein Bericht mit Video.

Alice Hasters
Raoul Haspel
Raoul HaspelFoto:dpa

Momentan kaufen die Österreicher über iTunes und Amazon lieber Stille als Musik. Die "Schweigeminute" von Raoul Haspel stand schon am Dienstag auf Platz eins der iTunes-Charts, und das obwohl der Track erst am Freitag zuvor auf iTunes erschienen ist. Auf Amazon ist er erst am 28. August erhältlich. Dass die Österreicher für 60 Sekunden Stille bereit sind 99 Cent bzw. 1,29 Euro auszugeben, hat natürlich einen Grund: Der Erwerb des Tracks ist weniger ein Kauf als eine Spende. Jeder Cent der Einnahmen, so versichert es der Musiker, geht an "Happy.Thank you.more please!!!", eine private Organisation freiwilliger Helfer, die sich um die Flüchtlingsstation in Traiskirchen kümmert. Selbst die Einnahmebeteiligung der Plattformen, möchte er aus eigener Tasche ausgleichen. Auch seitens des Labels sind keine Kosten entstanden, alle Beteiligten haben gratis gearbeitet - um Flüchtlingen zu helfen.

Moderner Protest

Die Aktion von Haspel ist auf mehreren Wegen wirksam: Zum einen ist sie effektiv, denn die Spende erfolgt auf unkomplizierten und vertrauten Weg für die Käufer. Zum anderen modernisiert er den Einsatz der Schweigeminute. Sie ist schon lange ein starkes Zeichen des Protests und der Anteilnahme. Jedoch braucht es für Haspels Variante keine Absprache, keinen Termin. Jeder kann für sich protestieren, individuell mit seinen IPod auf den Weg zur Arbeit oder auf der Couch. Das klingt vielleicht nach Faulheit, vielleicht ist es jedoch einfach zeitgemäßer. Die massenhafte Beteiligung spiegelt sich nicht in einer gemeinsamen Versammlung, sondern in den Verkaufszahlen wieder.

Innenministerium ist überfordert, Amnesty International spricht von Verletzung der Menschenrechte

Im Flüchtlingslager Traiskirchen ist die Lage chaotisch. In einem Bericht von Amnesty International Ende Juli wurden die Zustände stark kritisiert. Es fehle an ärztlicher Versorgung und Schlafplätzen für hunderte von Menschen. Amnesty International sprach von einer Verletzung der Menschenrechte. Das Lager, was für rund 2000 Menschen ausgerichtet ist, muss laut Bericht sich um mehr als doppelte an Flüchtlingen kümmern. Das österreichische Innenministerium räumte bereits ein, die Situation ohne ehrenamtliche Beteiligung der Bürger nicht meistern zu können. Mit einem offenen Brief wendete es sich an die Bürger Österreich, sich bei der Hilfe zu beteiligen. Haspels "Schweigeminute" mag eine Antwort auf diesen Aufruf sein.

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