Medien : Alexander Korab: Ein Kreml-Astrologe

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Kreml-Astrologen nannte man sie, vor der großen Welt-Wende: Das waren die Journalisten und Publizisten, die versuchten, herauszufinden, was sich hinter dem Eisernen Vorhang tat, der damals wirklich noch fast undurchdringlich war. Die Bezeichnung mag heute leicht abschätzig klingen, aber richtiger wäre es, sich daran zu erinnern, dass Astrologie wirklich einmal so etwas wie eine Wissenschaft war. Denn fast durchweg beruhte die Sicht dieser Beobachter des sowjetischen Machtbereich auf der wissenschaftlichen Analyse des Systems und der akribischen Durchleuchtung der wenigen Informationen, die aus ihm heraussickerten. Einer von ihnen war Alexander Korab, für den Tagesspiegel der wichtigste, denn er betrieb dieses mühsame Geschäft für diese Zeitung - daneben für die "Neue Zürcher Zeitung" - und damit für eine Leserschaft, die genug Anlass hatte, genau hinzusehen, was sich in Osteuropa tat. In der Ukraine geboren, aber schon im Krieg zum Studium nach Berlin gekommen, hat Korab diese dramatische Geschichte von Unterdrückung und Aufbegehren, von Hoffnungen und Enttäuschungen beschrieben, die bald ein halbes Jahrhundert lang ein mitentscheidender Teil der Wirklichkeit unserer Welt war. Er hat ihre großen Figuren beobachtet, von Chruschtschow bis Tschou En-lai, kannte die großen Häretiker wie den Jugoslawen Milovan Djilas, der in den fünfziger Jahren begann, an den Stäben von Titos System zu rütteln, war auf unzähligen Konferenzen und Tagungen dabei - ein kleiner, rundlicher, höchst lebendiger Mann, den Kopf voller Politik und immer dabei, mögliche Entwicklungen aufzuspüren. So ist er noch heute. Allerdings richtet sich sein Interesse nun vor allem auf das Schicksal seiner alten Heimat. Unermüdlich, nicht immer erfolgreich sucht er den Blick der Deutschen auf dieses Land zu lenken, das seit 1990 zum ersten Mal eigenständig ist und für das er so etwas wie ein heimlicher Botschafter geworden ist. - An diesem Dienstag wird Alexander Osadczuk-Korab achtzig Jahre alt.

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