Medien : Alexander Popp: Kein Star des Fernsehens

Joachim Huber

Boris Becker und Steffi Graf haben das Tennisturnier von Wimbledon vor aller Fernsehöffentlichkeit gewonnen. Bis zu 20 Millionen Zuschauer hatten in den späten 80er Jahren und zu Beginn der 90er Jahre ihre Geräte eingeschaltet, als die Finals im so genannten Free-TV von ARD, ZDF und RTL übertragen wurden. Sollte Alexander Popp bei seinem Wimbledon-Debüt ins Endspiel vordringen, können maximal 1,6 Millionen Fans dem Mannheimer die Daumen drücken. So viele Haushalte haben den SportsWorld-Kanal im Pay-TV-Angebot von PremiereWorld abonniert. Monatliche Kosten: 44,90 Mark Abo plus 14,90 Mark Decodermiete; einmalige Kosten: 150 Mark Abo-Abschluss, 29,90 Mark Freischaltung.

Wimbledon als Live-Fernsehen gab es bereits 1999 nur im Pay-TV, im PremiereWorld-Vorläufer DF 1. Bis 1988 bei ARD und ZDF ausgestrahlt, bis 1996 bei RTL, wurde das Grand-Slam-Turnier ab 1997 mal da, mal dort, teilweise veschlüsselt, teilweise frei empfangbar durch verschiedene Programme des Privatfernsehens gereicht. Die teuren Übertragungsrechte bei gleichzeitiger Absenz von deutschem Spitzentennis hatten mäßige Quoten und Verluste eingebracht. Tennis "rechnete" sich nicht.

Alexander Popp wird bei seinem potenziellen Aufstieg zum Tennis-Star der Aufwind des massenattraktiven Fernsehens fehlen. Da die Turnier-Veranstalter bei der Alternative einer maximalen Darstellung ihres Sports oder der maximalen Vermarktung gern den maximalen Schnitt vorziehen, muss Popp auf das große Publikum verzichten. Pay-Fernsehen in Deutschland hat eine kleine Seherschaft. Andererseits kann der Verkauf der Decoder nur rasch und erfolgreich vorankommen, wenn das Pay-TV exklusiv über ein Sportereignis berichten kann. Also werden die Übertragungsrechte so teuer und so hoch eingekauft, wie der Veranstalter der All England Championships den Preis angesetzt hat. Für die Zuschauer des Free-TV bleiben die allabendlichen Zusammenfassungen beim Deutschen Sport-Fernsehen.

Oder aber die Presse. Ein Tagesspiegel-Abo kostet aktuell 38,40 Mark im Monat. Im Blatt gibt es keine verschlüsselten Nachrichten, sondern nur frei lesbare Schlüssel-Sätze.

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