Medien : Alle für eine Show

ARD-Gemeinschaftsredaktion gegen Unterhaltungs-Misere

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Aus zehn Anstalten besteht die ARD, aber nicht ein einziger Sender hat es geschafft, dass im Ersten eine quotentaugliche Show läuft. Jetzt werden die Kräfte gebündelt: Ab 1. Januar 2004 wird eine zentrale Gemeinschaftsredaktion Unterhaltung neue Showkonzepte für die Hauptabendtermine am Montag, Donnerstag und Samstag entwickeln. Das beschlossen die ARDIntendanten in Dresden. Hinter der Initiative steht ARD-Programmdirektor Günter Struve, der aus dem Material der Anstalten ein schlagkräftiges Programm zusammensetzen muss. Bei der Show wollte das nicht gelingen. Der Etat der neuen Gemeinschaftsredaktion von 62 Millionen Euro soll sich aus den bisher in den zehn ARD-Sendern für diese Plätze vorgehaltenen Mitteln speisen. „Im Bereich der Information ist die ARD traditionell stark, ebenso zum Beispiel in der fiktionalen Unterhaltung“, sagte der ARD-Vorsitzende Jobst Plog. „Im Show- Bereich hingegen haben wir an Strahlkraft verloren.“ Nach Struves Aussage soll das Repertoire von Volksmusik über Spielshows bis hin zu Real-Life-Formaten reichen. „Container-Shows“ seien ausgeschlossen, betonte Struve.

Das Modell der Gemeinschaftsredaktion ist in der ARD nicht neu, es ist bewährt: Beim Vorabendprogramm klappt es zur Zufriedenheit des Senderverbunds.

„Sportschau“ macht glücklich

„Überaus zufrieden“ ist die ARD mit dem Bundesliga-Comeback der „Sportschau“ nach den ersten fünf Spieltagen der neuen Saison, sagte Programmchef Günter Struve. „Sowohl die Quote als auch die Werbebuchungen sind sehr zufriedenstellend und liegen weit über den Erwartungen. Die ARD war selten mit einer Innovation so zufrieden. Wir liegen bei 99 Prozent. Ich wüsste keine Sendung, bei der das sonst noch so wäre.“ Die Bundesliga-„Sportschau“ hatte am 13. September erstmals in dieser Spielzeit die Grenze von fünf Millionen Zuschauern überschritten. „In diesem Bereich werden wir uns einpendeln,“ meinte Struve.

Trotz des Erfolges ist die ARD weiter daran interessiert, ihr umfassendes Fußballangebot abzuspecken. Laut Struve wird das Schritt für Schritt geschehen, wobei laufende Verträge teilweise nicht verlängert werden sollen. „Aber unter dem Einstandspreis werden wir keine Rechte abgeben“, erklärte Struve. Neben den für zunächst für drei Jahre erworbenen Bundesliga-Rechten strahlt die ARD unter anderem noch Spiele im UEFA-Cup, Begegnungen der deutschen Nationalmannschaft, der Frauen-Nationalmannschaft und des DFB-Vereinspokals aus. Ob ein anderer Sender an solchen Fernsehrechten wirklich interessiert ist, das sagte Struve nicht. Laut „hier“ hat noch keiner gerufen. jbh

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