Medien : Alle für eine

Monika Piel ist die erste Intendantin des Westdeutschen Rundfunks

Bernd Gäbler,Joachim Huber

Monika Piel ist am Montag zur neuen Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) gewählt worden. Die 55-jährige Hörfunkdirektorin des Senders war die einzige Kandidatin, die sich dem Rundfunkrat zur Wahl gestellt hatte. Sie folgt auf Fritz Pleitgen. Piel erhielt im 42-köpfigen Gremium 38 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen, wie der WDR mitteilte. Der Weg zur überwältigenden Mehrheit für Monika Piel war frei geworden, nachdem ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, NDR-Justitiar Werner Hahn und SR-Intendant Fritz Raff auf ihre Kandidaturen verzichtet hatten. Monika Piel ist nach RBB-Intendantin Dagmar Reim die zweite Frau an der Spitze eines öffentlich-rechtlichen Senders.

In der Pressekonferenz machte die künftige Intendantin, die Pleitgen am 1. Juli 2007 ablösen wird, deutlich, dass sie die Wahl auch mit dem „Adenauer-Ergebnis“, sprich einer Stimme Mehrheit, angenommen hätte. Zu Beginn der Intendantenfindung hätte sie sich keine Chancen ausgerechnet, sie hätte für ihre Kandidatur „keine Netzwerke“ in der Politik und im Rundfunkrat aufgebaut.

„An der Spitze dieses Senders zu stehen, dem ich so viele Jahre meines Lebens verbunden bin, bedeutet mir sehr viel“, sagte die Frischgewählte. Die Position der Intendantin sei eine wunderbare Aufgabe mit großen Gestaltungsmöglichkeiten – „aber auch eine wirkliche Herausforderung“. Der WDR habe mit Fritz Pleitgen einen herausragenden Intendanten und sei entsprechend gut aufgestellt, „großen Reformbedarf“ sehe sie im WDR nicht. Immer wieder wurde die Pressekonferenz vom Beifall anwesender Sendermitarbeiter unterbrochen, worin sich auch die hausinterne Stimmung ausdrückte: Es mischten sich Selbstvergewisserung, Eigenlob und Erleichterung.

Ein Schwerpunkt ihrer kommenden Aufgabe sieht Piel darin, dass „wir Antworten auf sich stark verändernde Rahmenbedingungen geben müssen“. Die digitale Entwicklung schreite mit unglaublicher Geschwindigkeit voran, „medienpolitisch werden wir deshalb entscheidende Weichen stellen müssen“. Der wesentliche Erfolgsfaktor werde dabei das öffentlich-rechtliche Profil sein, das den WDR von seiner Konkurrenz deutlich unterscheide, betonte Monika Piel. „Von uns können die Menschen eine unabhängige Berichterstattung erwarten, die frei von kommerziellen Interessen ist.“ Dies zu erreichen, dürfte der Journalistin so schwer nicht fallen, sie gilt im WDR-Rund als durchsetzungsfähig und entscheidungsfreudig. Das kann anders nicht sein, bei einem Etat von 1,35 Milliarden Euro beschäftigt der größte ARD-Sender über 4000 Mitarbeiter. Überhaupt, die ARD, ihre Intendantinnen und Intendanten im Piel-Blick: „Wir müssen uns beim Image einiger werden, wieder mit einer Stimme sprechen.“ Die Verwandlung einer Hörfunkjournalistin in eine Rundfunkmanagerin und Medienpolitikerin hat begonnen.

Fritz Pleitgen sagte, Piel werde ihre Sache gut machen. „Ich bin außerordentlich froh, dass Monika Piel meine Nachfolgerin geworden ist.“ Mit ihrem souveränen und zugleich solidarischen Führungsstil werde sie „die Mitarbeiterschaft hinter sich bringen“. In der Übergangszeit bis zur Amtsübernahme Piels am 1. Juli 2007 wollen die designierte Intendantin und der amtierende Intendant eng zusammenarbeiten. Große Aufgaben müssten laut Pleitgen gemeistert werden: „Wir haben natürlich Probleme, im Fernsehen die jungen Menschen zu erreichen“, sagte Pleitgen. Er ließ offen, ob er wirklich bis Ende Juni 2007 den WDR führen wolle: „Ich schließe da gar nichts aus“, sagte der 68-jährige Journalist dem Tagesspiegel. Mit seiner Nachfolgerin zusammen wolle er ein „Piel-Team“ aufstellen. „Schon die nächsten Personalentscheidungen werden wir gemeinsam angehen.“ Das betrifft die Nachfolge von Ulrich Deppendorf als Fernsehdirektor – der Journalist wird wieder Chef des ARD-Hauptstadtbüros – und eben die Spitze der Hörfunkdirektion.

Der Rundfunkratsvorsitzende Reinhard Grätz sagte, für Piel sprächen ihre „große Erfahrung“, ihr „Umgang mit Menschen“, die „Unbestechlichkeit im weitesten Sinne“ und: „Sie setzt auf Qualität.“ Das Wahlverfahren sei erfreulich glatt über die Bühne gegangen.

Piel, in Bensberg geboren, studierte Betriebswirtschaft, Jura und Orientalistik in Köln. Ab 1979 arbeitete sie als Redakteurin und Moderatorin für die aktuellen Hörfunkmagazine. Von 1982 bis 1984 war Piel als freie Journalistin in Portugal auch für den WDR tätig. 1989 folgten vier Jahre als Korrespondentin für Wirtschafts- und Finanzpolitik im Studio Bonn, bevor Piel Leiterin der Programmgruppe Wirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt und Verkehr wurde. Dann stellvertretende Hörfunk-Chefredakteurin und Programmchefin von WDR 2. 1995 wurde Piel, die eine Tochter hat und mit der Familie in der Voreifel lebt, Chefredakteurin und stellvertretende Hörfunkdirektorin. Seit 1998 leitet sie den Hörfunk.

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