Medien : Alle für einen

98,36 Prozent Rückenwind: Markus Schächter bleibt ZDF-Intendant bis 2012

Joachim Huber

Große Freude und vielleicht ein bisschen Erschrecken: Markus Schächter ist am Freitag mit überwältigender Mehrheit als Intendant des ZDF wiedergewählt worden. Bei der 45-minütigen Abstimmung im Fernsehrat erhielt der 56-Jährige 60 von 61 Stimmen. Große Freude: Das ist das beste Ergebnis für einen Intendanten in der Geschichte des ZDF und für Schächter eine persönliche Genugtuung, wurde er doch im März 2002 erst im fünften Wahlgang zum Senderchef in Mainz bestimmt. Damals hatten sich die beiden „Freundeskreise“ im Fernsehrat, der parteipolitisch „rote“ und der „schwarze“, lange gegenseitig blockiert. Schächter, damals Programmdirektor, galt als kleinster gemeinsamer Nenner.

Am gestrigen Freitag waren die Wahlmänner voll des Lobes über den Mann, der seit 24 Jahren für das ZDF arbeitet und den Sender bis 2012 leiten wird. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, das Ergebnis der Wahl sei gerechtfertigt. Schächter habe das Haus gut aufgestellt, sowohl auf dem Medienmarkt als auch in finanzieller Hinsicht. Der Fernsehratsvorsitzende Ruprecht Polenz (CDU) hob als Vorzüge Schächters Offenheit, Kollegialität und Teamorientierung hervor. Das ZDF sei unter seiner Leitung ein „Qualitätssiegel für Zuverlässigkeit und Orientierung“ geworden. Markus Schächter, das ist ein „Teamplayer“, ein Kommunikator ins Haus hinein, der nicht nur 3500 Mitarbeiter führt, sondern auch motiviert. Was sich der Pfälzer zudem auf die Habenseite rechnen kann: Der Haushalt des Senders ist konsolidiert, neue Schulden werden nicht gemacht. Schächter selbst zeigte sich erfreut über das gute Wahlergebnis: „Ich sehe darin einen Vorschuss für die Zukunft.“ Wer 60 von 61 Stimmen bekommt, der muss nicht viel anders, aber fast alles richtig machen.

Nach der Wahl sagte der Intendant, alle großen Fernsehanbieter müssten sich für die kommenden Jahre auf einen verschärften Wettbewerb einstellen. Sport und Technologie seien „Trendsetter, Treiber und Motor einer neuen Marktordnung“. Eine neue Herausforderung erwachse dem ZDF in den „Telekoms dieser Welt“. Diese wollten künftig Internet, Telefon und TV aus einer Hand anbieten.

Zum heutigen Datum steht das ZDF als Marktführer 2005 im deutschen Fernsehmarkt da. Nach Schächters Ansicht hängt das auch mit den Schwächen der Konkurrenz zusammen. Dies werde etwa am „Beispiel des lausig indisponierten RTL“ deutlich.

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bilanzierte Schächter, das ZDF habe nicht nur die fiktionale und die Show-Unterhaltung gepflegt, sondern erkennbar in die Information und in die E-Kultur („Lesen!“, „Echo Klassik“) investiert. Und es soll noch mehr Geld ins Programm fließen, um das Profil und die Markenqualität zu stärken. Im Jahr 2007 werde der ZDF-Zuschauer ein neues Nachrichtenstudio für „heute“ und „heute journal“ sehen. Schon 2006 will das ZDF, nach Aussage von Schächter bereits das Programm mit den meisten Doku-Terminen, dieses Segment deutlich verstärken, nicht zuletzt in der Kooperation mit internationalen Partnern wie der britischen BBC. Projekte wie „2056“ oder „2029“ sollen Programmmarken setzen in Form von Jahresmarken: Die Projektion „2029“ zum Beispiel werde das Problem der dramatischen demografischen Entwicklung der deutschen Bevölkerung aufgreifen.

Bei den fiktionalen Erzählformen soll der Mehrteiler verstärkt auftauchen, gleich zu Jahresbeginn 2006 läuft der Zweiteiler „Papa und Mama“ von Dieter Wedel. Obwohl der Sport – Fußball-WM oder die Olympischen Winterspiele – das Jahr 2006 dominieren wird, soll dessen Anteil im ZDF-Programm nicht die Neun-Prozent-Marke übersteigen, „und neun Prozent hat im ZDF auch das Kinderprogramm“, sagte Schächter.

Zwar sei beim „People-Talk“ allgemein der Höhepunkt überschritten, meinte er, „trotzdem bleibt Johannes B. Kerner einer unserer prägenden Mitarbeiter“. Beim politischen Gesprächsformat „Was nun ...?“ wird der Sender noch im Dezember mit Innenpolitik-Chefin Bettina Schausten und Chefredakteur Nikolaus Brender ein neues Interviewer-Duo ins Rennen schicken. Ein altes Grundproblem will der Mainzer Sender verstärkt angehen – die Ansprache junger Zuschauer für das ZDF-Programm.

Bei aller Rivalität der öffentlich-rechtlichen Sender setzt der wiedergewählte ZDF-Chef auf „neue Gemeinsamkeit“ mit der ARD. Ein Fingerhakeln wie bei der Programmierung der ARD-„Tagesthemen“ gegen das „heute journal“ solle sich nicht wiederholen.

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