Medien : Alle Räder stehen still

Die ARD-Intendanten verschieben die Entscheidung über künftige Tour-de-France-Engagements

Kurt Sagatz

Die Zukunft des Radsportklassikers Tour de France im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Deutschlands bleibt ungewiss. Die Intendanten der ARD hatten auf ihrer Versammlung in Brüssel am Montag und Dienstag beraten, ob das Erste den Dreijahresvertrag über die Tour-Übertragung von 2009 bis 2011 umsetzen will. Eine Klärung der Frage blieben sie allerdings schuldig. „Die Entscheidung wird in den nächsten Wochen getroffen“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff am Mittwoch in Köln. Ein Zusammenhang mit der möglichen Rückkehr des siebenmaligen Tour-Gewinners Lance Armstrong wurde zurückgewiesen – „unabhängig davon, wie stark der Tour-Veranstalter ihn hofiert“, hieß es aus dem Sender.

Ungeklärt sind dem Vernehmen nach einige offene Rechtefragen bei der Umsetzung des Vertragswerks, das zwischen der Europäischen Rundfunkunion EBU und dem französischen Tour-Veranstalter ASO geschlossen wurde. Der Rundfunkunion gehören ARD und ZDF an. Um welche Fragen es genau geht, blieb offen. Nach dem, was bislang bekannt ist, hat die Rundfunkunion dem Tour-Veranstalter bereits niedrigere Rechtekosten und geringere Sendezeitverpflichtungen abgerungen. Für das ZDF sieht die Situation offensichtlich weniger kompliziert aus. „Wir haben unsere Positionen unter anderem über die Einschränkung von Sendezeiten bei Dopingfällen in die Verhandlungen zum Vertrag zwischen EBU und ASO einbringen können und warten nun auf die Entscheidung der ARD“, sagte Chefredakteur Nikolaus Brender.

Speziell in Deutschland haben die Sender wegen der Dopingdiskussion mit einer schwindenden Akzeptanz von Radrennsport-Veranstaltungen zu kämpfen. Die Intendanten sollten überprüfen, ob sie die Tour de France noch stundenlang im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen müssten, hatte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble empfohlen. Ihn interessiere das schon lange nicht mehr. Auch in den eigenen Reihen ist die Fortsetzung des Tour-Engagements umstritten. Zuletzt hatten die Intendantinnen Dagmar Reim vom RBB und Monika Piel vom WDR Vorbehalte gegen die Unterzeichnung eines neuen Dreijahresvertrages geäußert. Ihren Tiefpunkt hatte die Tour 2007 erreicht. ARD und ZDF waren aus der Live-Berichterstattung ausgestiegen, unter anderem, weil auch ein deutscher Fahrer im Umfeld der Tour gedopt hatte.

Ein Komplettausstieg aus der Tour hätte Auswirkungen auf andere Veranstaltungen wie die Deutschland-Tour, die 2008 vom deutschen Fahrer Linus Gerdemann gewonnen wurde. Das Interesse des TV-Publikums blieb gering. Der Marktanteil der ARD-Übertragungen lag bei unter zehn Prozent. Viel besser sah es auch bei der Frankreich-Rundfahrt nicht aus. ARD und ZDF kamen auf durchschnittlich 13 Prozent. Dennoch wurde die Tour als Neuanfang gewertet. Der Verranstalter hatte die Dopingkontrollen in die eigene Hand genommen, Betrugsfälle wurden als Indiz gesehen, dass die verschärfte Anti-Doping-Politik greift.

Eine andere Baustelle ist hingegen geschlossen worden. Der Sportchef des NDR, Axel Balkausky, wird neuer ARD-Sportkoordinator. Der 46-Jährige übt das Amt zunächst neben seiner bisherigen Funktion aus. Balkausky löst Günter Struve ab, der nach dem Ausscheiden von Hagen Boßdorf das Amt kommissarisch geleitet hatte. Der scheidende ARD-Programmdirektor Struve will künftig als ARD-Repräsentant für den TV- und Filmrechtehandel in den USA tätig werden.

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