Medien : Alle Spiele, wie viele Fans?

Für den neuen Bundesliga-Sender Arena beginnt heute der Ernst der Live-Übertragung

Simon Feldmer,Joachim Huber

Fußball ist hipp, in der Fernsehsprache ist er sogar „das absolute Premiumprodukt“. Und so muss es nach bierseligen WM-Fanmeilen und Klinsi-Kult niemanden wundern, dass es jetzt in Deutschland einen Fernsehsender gibt, der nur Fußball im Programm hat.

Arena, so heißt das neue Pay-TV-Angebot, das an die Namensgebung moderner Fußballtempel wie Veltins- oder Allianz Arena erinnert. Aus dieser Arena in München startet der Sender aus Unterföhring im Landkreis München heute sein Live-Programm: Um 20 Uhr wird in München das ehemals brisante Stadtderby – mittlerweile reicht es nur noch zum Freundschaftsspiel – FC Bayern München gegen 1860 München angepfiffen. Der frühere Bayern-Stürmer Giovanne Elber wird dort verabschiedet. Für Arena Anlass genug, seinen Moderatoren-Frontmann Oliver Welke um 19 Uhr 30 auf Sendung zu schicken. Kommentieren darf der bisherige Premiere-Mann Oliver Forster; als „Field-Reporter“ wird Uli Köhler, zwischen ARD und Sat 1 weit gereister bayerischer Sportfachmann mit Hang zur überdimensionierten Markenbrille, sein Mikrofon den verschwitzten Fußballern unter die Nase halten. Über 250 Freunde des Hauses lädt Arena zur Kick-Off-Veranstaltung in die Allianz Arena – mit Catering im FC Bayern Champions Club und Nachspielzeit in Münchens ewiger In-Bar „Schumann’s“.

Aber nicht nur bei Sendername und Eventprogramm spielt Arena mordsmäßig mit dem Zeitgeist. „Der Fan soll mitfühlen, Emotionen ausleben“, sagt der 33-jährige Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic, der früherer selbst mal bei Premiere war und zuletzt Pro Sieben führte. Jocic ist sich ganz sicher: „Die WM-Euphorie bestätigt uns: Wir liegen mit unserem Konzept richtig.“ Mit dieser volksnahen Masche will man sich vom bisherigen Stadionsender Premiere abheben, der seit 1991 live die Liga gezeigt und deren Chefkommentator Marcel Reif es mit sachlicher, kompetenter Betrachtung sogar im Pay-TV zu Fernseh- und Grimme-Preisen gebracht hatte. Bei Arena funktioniert das Marketing nach dem Motto: Bundesliga live gibt’s bei uns für den einfachen Menschen auf der Straße. 14 Euro 90 kostet das Arena-Abo im Monat – und damit nicht mal halb so viel wie früher bei Premiere. Wie viele Fußball-Fans letztlich die Premiere von Arena sehen können, bleibt ein Geheimnis. Erst im Herbst, wenn die neue Bundesliga-Saison ein paar Spieltage alt ist, will der neue Partner der Deutschen Fußball Liga (DFL) Zahlen zu seinem Kundenkreis veröffentlichen.

Kurz vor Weihnachten hatte die DFL mit ihrer überraschenden Rechtevergabe die TV-Branche umgekrempelt: Premiere-Boss Georg Kofler hatte mehr Exklusivität verlangt. Er wollte die ARD-„Sportschau“ aushebeln. Da vergab die DFL ihre Live-Rechte für 220 Millionen Euro pro Saison an den Kölner Kabelnetzbetreiber Unity Media. Der hat nun in 220 Tagen einen neuen Fußballsender aus dem Boden gestampft. Trotz einiger technischer Hänger: Wegen Problemen bei der Verbreitung im Kabel mussten die Kölner eine Kooperation mit dem Erzrivalen Premiere eingehen. Die rund 500 000 Premiere-Fußballkunden im Gebiet des größten Kabelanbieters, der Kabel Deutschland GmbH, bekommen von der neuen Saison an von Arena geliefert. Die Leitungen sollen – und müssen – heute freigeschaltet werden.

Richtig los geht es am Freitag: Die Liga eröffnet die Saison mit der Partie Bayern gegen Dortmund. Es moderiert Steven Gätjen, bekannt durch „taff“ auf Pro Sieben und „Top-10 TV Comedy“ auf Kabel 1. Kommentieren darf der von Premiere eingekaufte Hansi Küpper. Arena-Stratege Jocic und sein Sportchef Albrecht Schmitt-Fleckenstein, der Anfang der 90er Jahre für Sat 1 „ran“ erfand, haben sich großzügig beim Wettbewerb bedient: Ein Großteil der Kommentatoren-Riege, unter anderem bestehend aus Martin Groß, Carsten Fuß, Michael Born, Holger Pfandt, Uwe Bornemeier, Norbert Dobeleit oder Tom Scheunemann, hat die Station Premiere im Lebenslauf stehen. Vom Deutschen Sport-Fernsehen kommt Frank Buschmann gelegentlich zum Kommentieren. Als basisnahe Frontmänner wurden die Sat-1-Fußballstimme Werner Hansch und der bayerische Stimmungsbolzen Günther Koch, vormals Kult im ARD-Hörfunkklassiker „Heute im Stadion“, gewonnen. Was Schmitt-Fleckenstein besonders freut: „Günther Koch und Werner Hansch passen wunderbar zu Arena und ergänzen das Team optimal. Die Mischung macht’s.“ Wohl deshalb finden auch Quizshow-Moderator Matthias Opdenhövel und Isabella Müller-Reinhardt, zuletzt beim Anrufsender 9Live am Hörer, Platz im Arena-Team. Das feste Redaktionsteam besteht aus rund 30 Moderatoren und Kommentatoren, an den Wochenenden kommen bis zu 200 freie Mitarbeiter hinzu.

Die Bilder aus den Stadien produziert die neue Produktionsfirma Sportcast, eine Tochter der DFL. Erstmals werden auch alle Zweitligaspiele live gezeigt, in der Summe werden in der nächsten Saison alle 612 Partien der ersten und der zweiten Spielklasse übertragen. Die vier Konferenz-Sendungen pro Spieltag – je zwei von der Bundesliga (Samstag und Sonntag) und zweiter Liga (Freitag und Sonntag) – bilden den Kern der Berichterstattung. Mit einigem Stolz verweisen die Arena-Macher auf den Einsatz der Split-Screen-Technik, mittels derer sofort in das Stadion geschaltet werden soll, in dem gerade ein Tor gefallen ist. Während die laufende Partie in einem kleinen Fenster weitergesehen werden kann, wird auf zwei Drittel des Bildschirms schnellstmöglich umgeschaltet.

Das neue mobile Studio – eine zwölf Meter hohe Traglufthülle, die aussieht wie ein halbierter Fußball – kommt nur in der ersten Liga zum Einsatz. Es wird jeweils vor dem Stadion des Schlagerspiels stehen. Am Samstag wird das die Arena auf Schalke sein. Dort grüßt ab 14 Uhr 30 Arena-Chefunterhalter Oliver Welke. Ab 15 Uhr 30 gibt’s – ähnlich wie bis vor kurzem bei Premiere – alle Spiele live oder in Konferenzschaltung, im Anschluss eine Zusammenfassung mit allen Toren.

Premiere-Chef Kofler wird sich das Treiben seines Kooperationspartners aus der Nähe anschauen. Zum Kick Off wird er heute in der Arena erwartet.

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