Medien : Allein beim Feind

„Live aus Bagdad“: Dokudrama um CNN-Team im Golfkrieg

Antje Kraschinski

Die Fernsehbilder vom Irak-Krieg von ’91 sind geprägt vom Gesicht eines Reporters: Peter Arnett. Er hat lange als einziger westlicher Journalist aus Bagdad berichtet – das hat ihn und seinen Sender CNN berühmt gemacht. Wer dagegen ist Robert Wiener? Er leitete das damalige CNN-Team und hat ausgehandelt, dass der Sender als einziger im Land bleiben durfte. Trotzdem ist Robert Wiener nicht berühmt geworden. Die im Dunkeln sieht man eben nicht – außer sie schreiben ihre Memoiren und sorgen für deren Verfilmung.

„Live aus Bagdad“ (22 Uhr 15, ZDF) heißt der Film, den der US-Bezahlsender HBO aus Wieners Irak-Memoiren – und dank seiner Co-Finanzierung – gemacht hat. Der „News- Thriller“ erzählt die Geschichte des CNN- Teams, das von August 1990 bis Januar ’91 in der irakischen Hauptstadt stationiert war. Die Arbeit zwischen Zensur und Manipulation und der Konkurrenzdruck unter den zynischen Journalisten wurden von Regisseur Mick Jackson zwar glaubhaft in Szene gesetzt, aber ein Dokudrama ist der Film trotz eingestreuter Originalaufnahmen nicht. Eher ein aufwändiger CNN-Werbefilm aus dem Haus AOL Time Warner, dem sowohl der Nachrichtensender als auch HBO gehören.

Schon beim ersten Auftritt von Robert Wiener (Michael Keaton) ist klar: Dieser Held ist noch viel zu egoistisch, um Bewunderung zu verdienen. So muss er in Bagdad erst mal einige Niederlagen einstecken. Zum Beispiel bekommt nicht er das erste Interview mit Saddam, sondern die Konkurrenz.

Ärgerlich wird der Film aber erst, als das Team ins besetzte Kuwait reist, um die Behauptung zu prüfen, irakische Soldaten hätten Babys aus Brutkästen gerissen. Denn diese „unschuldigen Babys“ (George Bush sen.) waren es, die die amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges überzeugt hatten. Obwohl die Geschichte schon 1992 als PR-Lüge entlarvt wurde, suggeriert der Film auf perfide Weise, diese Grausamkeiten hätten stattgefunden. So mäandert er weiter zwischen Wahrheit und Fiktion, bis der Krieg beginnt. Für CNN das Happy- End: Dank der von Wiener organisierten Direktleitung hat der Sender seinen Scoop. Als seine Kollegen die Stadt verlassen, ist es Wiener, der sie verabschiedet. Mutig will er bleiben – tatsächlich ist er drei Tage später auch abgereist. Ausgeharrt hat Peter Arnett, der im Film – wen wundert’s – nur am Rande vorkommt.

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