Medien : Allein unter Bauern

Der ehemalige Serienanwalt Christoph M. Ohrt dreht in Brandenburg. Ein Besuch

Barbara Bückmann

Der Flieder blüht, die Wiese steht voller Löwenzahn, und selbst das Storchenpaar fehlt nicht, das sich im Fachwerk-Giebel zum Brüten niedergelassen hat und die märkische Idylle perfekt macht. Mittendrin sitzt ein Mann, der als Serien-Anwalt bekannt geworden ist: Christoph M. Ohrt aus „Edel & Starck“. Er lehnt sich entspannt im Klappstuhl zurück: „Absolut beruhigend“ findet er diesen Flecken nahe Ludwigsfelde, wo er derzeit für die neue Sat 1-Reihe „Unter Bauern“ vor der Kamera steht.

Er spielt einen ehrgeizigen Berliner Politiker, der einen ersehnten Ministerposten nicht bekommt und im fiktiven Dörfchen Kudrow strandet. In der Hoffnung auf ein Karriere-Comeback übernimmt er das ihm angetragene Bürgermeister- Amt. Doch er beißt sich die Zähne an der hartleibigen Landbevölkerung aus.

Gedreht wird heute im ehemaligen Verwalterhaus von Gut Kerzendorf. Das leerstehende Gebäude hat die Produktion als Wohnort der jungen Dorfärztin hergerichtet, die Waller zur Untermiete aufnimmt. Ein architektonisches Kleinod. Auch für den gebürtigen Hamburger Ohrt ist die Gegend eine Entdeckung. „Ich fange gerade erst an, Brandenburg richtig kennen zu lernen.“

Seit fast zwei Jahren wohnt er mit seiner amerikanischen Frau und zwei Kindern schon dort: in Kleinmachnow. Doch die zugezogenen ehemaligen Städter sind in Kleinmachnow in der Überzahl. Um sich auf seine Rolle vorzubereiten, nahm Ohrt dort Nachhilfe in Sachen Lokalpolitik und ging zu ein paar Gemeindevertreter-Sitzungen. Ein zähes Geschäft. „Vier Stunden wird über einen Straßennamen diskutiert und das Ganze dann doch wieder vertagt.“

Ohrt sei ein Freund schneller Entscheidungen. Doch damit kommt auch sein Johannes Waller nicht weit. Dass „Unter Bauern“ vom „Edel & Starck“-Autor konzipiert und von der gleichen Produktionsfirma umgesetzt wird, mag ein Grund dafür sein, dass diese Figur durchaus an Anwalt Edel erinnert, Ex-Jurist, intelligent, eloquent. Ohrt widerspricht: Der Waller sei ein ganz anderer Typ, ein „Machtmensch“ und ihm eher suspekt.

Solch einen Politiker könne er nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln: „Ein Unsympath, den ich sympathisch darstellen muss.“ Aber Ohrt kann gar nicht anders als gewinnend spielen. Für die Aufnahmen trägt er Nadelstreifen, gewienerte Schuhe und korrekten Gesichtsausdruck, in der Umbaupause drückt er sich den verknautschten Cordhut von Bauer Heinen aufs silbergraue Haar. Diese spielerische Selbstironie zeichnet ihn als Darsteller aus. Ihm gelingt es, in seinen Rollen das Weltläufige und Biedere zu vereinen. Die Fallhöhe zwischen zähnebleckendem Siegerlächeln und dem Scheitern an den kleinen Widrigkeiten prägen die Komik des Christoph M. Ohrt. So wie Johannes Waller seine Bettstatt neben verstaubten Einweckgläsern aufschlägt und im Wirtshaussaal große Reden schwingt, um die Kudrower für seine Zukunftspläne zu begeistern.

Der Gasthof, in dem er vor den TV-Dörflern spricht, steht in Gröben, einem von Fontane als „durchschnittlich“ beschriebenen Örtchen mit gepflasterter Dorfstraße und Feldsteinkirche, die Rathausszenen spielen in Großbeuthen. Möglichst ursprünglich sollten die Drehorte aussehen und nah an Berlin liegen, damit die Crew täglich raus- und wieder reinfahren kann.

Die Anwohner begegneten den Filmleuten nicht unfreundlich, aber reserviert. Auch als die Produktion per Anschlag Komparsen suchte, blieb der Andrang überschaubar. Begeisterung ist dem Brandenburger nun mal eher wesensfremd. So wie das beschauliche Leben im Grünen dann doch nicht ganz zu dem umtriebigen Christoph M. Ohrt passt: „Im Kopf rattert es immer weiter.“ Nach dem Ende der letzten „Edel & Starck“-Staffel hat er nicht lange pausiert. Er drehte eine ARD-Degeto-Romanze, ein „Fall für zwei“-Special für das ZDF, zwei Sat 1-Movies und jetzt die neue Serie.

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