Medien : Aller Anfang ist steif

Der neue „heute-journal“-Chef Claus Kleber wollte in seiner ersten Sendung zu viel

Désirée Bethge

Es ist nicht leicht, eine Sendung von einem erfolgreichen und beliebten Vorgänger zu übernehmen. Macht man’s genauso, ist es schlechter, man ist ja nur der Abklatsch vom Original. Macht man’s anders, ist es ohnehin nichts, jedenfalls nichts für die Fans. Mit dieser Last saß Claus Kleber am Montag um 21 Uhr 45 im Studio beim „heute journal“.

Was fiel auf? Druck und Unruhe unterm ordentlichen Scheitel. Die blauen Augen blitzen – aber sie folgen deutlich dem Text im Teleprompter. Kleber ist angespannt, das ist verständlich. Seine Worte kommen so nachdrücklich, dass es einen leicht in den Sessel drückt, der Atem fließt nicht, die Pausen sitzen an merkwürdigen Stellen. Die Anspannung macht ihn wenig leichtfüßig, er erzählt nicht, er weiß.

Seine Sprache ist so verdichtet und verkürzt, dass ich sofort abgestraft werde, wenn ich nicht völlig konzentriert bin. Ich höre wohl, da hat sich einer mit den Worten Mühe gegeben, es wirkt durchaus gesucht, gedrechselt – da hat jemand gefeilt an seinen Texten. Da gibt es keine Redundanzen wie beim gesprochenen Wort, da sitzt alles, wo es hingehört, da gibt es kein Gramm mehr, da ist nichts umsonst. Aber so funktioniert Verstehen vor dem Fernseher nicht – und da ich’s nicht lesen kann, kann ich es nicht wirklich würdigen. So lässt Kleber den Zuschauer leider manchmal ratlos und nachdenklich zurück. Während ich mich noch frage, was er mir denn sagen will, ist er schon zwei Sätze weiter.

Als Korrespondent hat er mir die Welt erklärt, ging vom Zuschauer aus. Das hat am Montag gefehlt. Vielleicht ist sich Kleber da selbst in die Falle gegangen, wollte es besonders gut machen – und war deshalb zu sehr auf sich konzentriert. Als es um den Vergleich rot-grüner und schwarz-gelber Zukunftspläne ging, hatte er sich was Schönes ausgedacht, setzte auch verständlich an, aber dann brachte er die Befindlichkeit des Kollegen Gössling ins Spiel, der den folgenden Beitrag gemacht hat: Gössling sei unzufrieden… da steige ich aus: Wer ist Gössling? Soll ich mir das angucken?

Ich bin noch verwirrt, und schon sind wir im Bericht, und ich habe die Hälfte verpasst.

Kleber nimmt mich erst wirklich mit bei der Anmoderation zur Columbia. Er erzählt von einem eigenen Erlebnis mit einem NASA-Astronauten, der von seinen eigenen Gefühlen und Erfahrungen spricht. Da bin ich dabei, das kann ich mir vorstellen, da bekomme ich einen anderen Blick als bisher auf das Thema, das ja immerhin schon seit Tagen läuft. Und das ist doch, was der Moderator leisten soll. Er ist ein Schlepper, ein Nummerngirl, ein Bauernfänger – er soll mich verführen, mich für das Thema interessieren. Bei dieser Moderation ist es geglückt.

Bitte keine Missverständnisse: Das war alles ordentlich, journalistisch überaus anständig und überhaupt. Bei der Verabschiedung und dem üblichen Kamerawechsel gab es zwar doch noch einen Versprecher – was soll’s! Aber wie war die Schlussszene nach der Verabschiedung zu interpretieren? Das Studio ist im Ganzen zu sehen, Gundula Gause beugt sich vor, Handbewegung: „Na also, geht doch!“ Darauf Kleber mit einem abwehrenden Händewedeln: „Naja, schon – aber der Hit war’s nicht.“ Noch nicht!

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