Alles anders : "Unser 'Tatort' bedient keine Klischees"

Der Erfurter Krimi soll völlig neue Akzente in der ARD-Reihe setzen. Ein Interview mit MDR-Filmchefin Jana Brandt.

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So jung und schon im kriminellen Milieu. Das Fahnderteam des „Tatorts“ aus Erfurt ist das jüngste in der ARD. Benjamin Kramme (links) ist 30 Jahr alt, Friedrich Mücke ein Jahr älter und Alina Levshin ist Jahrgang 1984. Foto: MDR
So jung und schon im kriminellen Milieu. Das Fahnderteam des „Tatorts“ aus Erfurt ist das jüngste in der ARD. Benjamin Kramme...Foto: MDR/Marco Prosch

Frau Brandt, 2013 wird der erste „Tatort“ aus Erfurt in der ARD laufen. Warum brauchte Thüringen unbedingt einen „Tatort“?

Als Landesrundfunkanstalt für drei Bundesländer sind wir bestrebt, unser gesamtes Sendegebiet sichtbar zu machen. Die mit einem Fernsehfilm auf diesem prominenten Sendeplatz verbundene Darstellung einer Region ist natürlich auch für Thüringen sehr wichtig.

Darüber hinaus ist eine Filmproduktion selbstverständlich auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wenn man bedenkt, dass wir aus Sachsen den „Tatort“ mit Simone Thomalla und Martin Wuttke senden, aus Sachsen-Anhalt den „Polizeiruf 110“ im Ersten einbringen – da ist die Entscheidung für den neuen „Tatort“ aus Thüringen nur eine logische Konsequenz.

Wie groß war denn der Wunsch der Anstaltsspitze, jedes MDR-Land mit einem Krimi am Sonntag zu versorgen?

Die Entscheidung für den „Tatort“ aus Thüringen wurde in enger Abstimmung mit der Geschäftsleitung getroffen. Wir sind sehr stolz darauf, fortan auch den Freistaat Thüringen mit all seinen Facetten zu präsentieren.

Jana Brandt ist Fernsehspielchefin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).
Jana Brandt ist Fernsehspielchefin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).Foto: MDR/Jehnichen

Warum bekommt Erfurt einen „Tatort“ und keinen „Polizeiruf 110“?

Wir haben uns dafür entschieden, die Premium-Marke „Tatort“ im Ersten zu stärken.

Der MDR hatte das Projekt des Thüringer „Tatorts“ im Internet ausgeschrieben. Ein Weg der Zukunft oder nur ein einmaliges Experiment?

Uns – und hier spreche ich im Besonderen auch für die Geschäftsleitung des MDR – war es wichtig, vor allem ein transparentes Verfahren auf den Weg zu bringen. Der MDR geht nach 20 Jahren neue Wege und dazu gehört, dass wir das große Potenzial der kreativen Produzentenlandschaft abschöpfen und auch anderen Produktionsfirmen eine Chance geben. An dieser Angebotseinholung hat sich die deutsche Produzentenlandschaft übrigens mit über 100 Ideen beteiligt.

Die Jury, die sich aus im Kriminalfilm erfahrenen Fernsehfilmredakteuren des MDR, Mitarbeitern der Herstellungsleitung sowie externen Lektoren zusammensetzte, beurteilte die Fülle der eingegangenen Vorschläge nach einem einheitlichen Bewertungssystem. Dabei waren unter anderem das inhaltliche und gestalterische Konzept, die Wirtschaftlichkeit sowie die Eignung für den Sendeplatz, Originalität und regionale Kompetenz gefragt. Ein einmaliges Experiment war diese Vorgehensweise mit Sicherheit nicht.

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