Alles für die Zielgruppe : Jugend, dringend gesucht

Der ZDF-Fernsehrat votiert für das gemeinsam mit der ARD geplante Online-Angebot. Außerdem will der Sender Partner und Kritiker der Fifa bleiben.

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Richtung Zukunft. Intendant Thomas Bellut erweitert Online-Auftritt des ZDF.
Richtung Zukunft. Intendant Thomas Bellut erweitert Online-Auftritt des ZDF.Foto: dpa

Der ZDF-Fernsehrat hat dem Konzept für ein gemeinsames Online-Jugendangebot von ARD und ZDF am Freitag zugestimmt. Das Gremium erwartet, dass das Angebot zur Wissensvermittlung, zum Verständnis und zum Zusammenleben der Kulturen sowie zum Verständnis für Politik beitrage. In der vergangenen Woche hatte bereits der SWR-Rundfunkrat zugestimmt, der Südwestrundfunk hat innerhalb der ARD die Federführung inne. Jetzt sind die Ministerpräsidenten dran, sie müssen abschließend darüber entscheiden.

Menschen unter 30 nutzen immer weniger das traditionelle Fernsehen

Auch wenn die Facon der Inhalte noch nicht en détail bestimmt ist, so ist doch schon klar, dass das ZDF bei den Inhalten für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen den Fokus auf Wissen, Information, Service, Fiktion und Comedy legen werde. Möglicherweise wird sich die „Ansprache“ an „heute+“ orientieren. Die kürzlich gestartete (Nachrichten-)Sendung im Spätprogramm bietet nach den Beobachtungen des Fernsehratsvorsitzenden Ruprecht Polenz „ein niedrigschwelliges Angebot“. Der ZDF-Intendant nannte „heute+“ wie auch das Jugendprojekt „alternativlos“. Menschen unter 30 Jahren würden das traditionelle Fernsehen immer weniger nutzen, deswegen müsste der öffentlich-rechtliche Sender mehr und mehr online präsent sein, in der Mediathek, aber auch auf Plattformen wie Youtube und Instagram. „Diese Zielgruppe sucht im Netz nicht gezielt nach Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender. Darum müssen wir auch dort präsent sein, wo die Nutzer sind“, sagte Bellut. Das wird nicht einfach. Polenz erinnerte daran, dass mit einer Netzpräsenz Fragen des Datenschutzes, der Rechte, des Werbeumfelds und der Markenidentität aufgeworfen würden. Der Starttermin 2016 sei durchaus ehrgeizig.

Bereits im Juli soll „ZDFheuteExpress“ starten. Online wie im Fernsehprogramm will der Mainzer Sender aktuelle Nachrichten anbieten. Erkennbar ist, dass das ZDF seine Zukunft im nonlinearen Netzsektor genauso wie im linearen Fernsehen sieht. Das traditionelle Publikum soll gehalten, die jüngeren und jungen Zuschauer wiedergewonnen werden. „Wir wollen die Akzeptanzlücke schließen“, sagte Bellut und setzt zugleich auf einen „Verjüngungseffekt für das ganze Haus“.

Der Fifa-Skandal lässt das ZDF nicht kalt, schließlich ist der Sender über die TV-Rechte für die Frauen-WM 2016 sowie die Männer-Wettbewerbe 2018 und 2022 Partner des Weltfußballverbands und zugleich über seine Berichterstattung dessen Kritiker. „Das ist gelebte Wirklichkeit“, sagte Bellut. Auch Fernsehratschef Polenz sieht das ZDF in einem Zwiespalt: „Der Zuschauer möchte die WM sehen, das ZDF soll übertragen. Der Zuschauer möchte eine saubere Fifa. Auch dazu soll das ZDF beitragen.“ Joachim Huber

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