Medien : Alles im Fluss

Das ZDF porträtiert das Leben an Asiens Strömen

Thomas Gehringer

ZDF-Reporter Dietmar Schulz hat sich ins ferne Tibet aufgemacht, dort hat er Fischer getroffen, die ihre Boote kopfüber ans Flussufer tragen, Bauern, deren Zelte mit Solarzellen bestückt sind, den Gründer der ersten tibetischen Rockband, buddhistische Mönche – und Mountainbiker aus dem Raum Augsburg, die trotz dünner Luft bis an den Fuß des Mount Everests emporstrampeln. Diese Szene aus der ZDF-Reportage „Der Brahmaputra – Flussfahrt auf dem Dach der Welt“ besitzt eine gewisse Ironie: Wohin auch immer Fernsehreporter reisen, der deutsche Extrem-Urlauber ist schon da.

Die Welt ist klein geworden, aber doch immer noch groß genug, dass das Fernseh-Publikum daheim nicht gelangweilt abwinkt. Der jährliche Sommerschwerpunkt bringt es nach ZDF-Angaben auf 14 Prozent Marktanteil. So ist eine schöne Tradition entstanden, die die Mainzer Reporter zuletzt an die Ufer von „Russlands Strömen“ (2001), „Chinas Strömen“ (2002) sowie „Russlands Küsten“ (2003) gebracht hat. Nun sind „Asiens Ströme – Asiens Zauber“ an der Reihe.

Dagegen ist nichts zu sagen, zumal abzusehen ist, dass im Herbst neben den Dauerkriegsschauplätzen im Nahen und Mittleren Osten die USA wegen der Präsidentschaftswahlen im Mittelpunkt des außenpolitischen Interesses stehen werden. Und neben schönen Landschaften werden en passant die Lebensbedingungen der Menschen an den Ufern von drei der größten Ströme Asiens dokumentiert, was mehr politische Aussagekraft hat als der aktuelle Kommentar eines Korrespondenten. So hat Autor Christian Sterley im zweiten Teil („Der Irrawaddy – Burmas goldene Ader“) die Arbeit der Goldsucher in Burma beobachtet, die mit bloßen Händen im Schlamm wühlen. Und Peter Kunz zeigt im Teil drei („Der Mekong – die Mutter aller Wasser“), dass sich Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh zum Ziel pädophiler Sex-Touristen entwickelt hat.

Dabei waren alle Teams mit staatlichen Begleitern unterwegs, die den Reportern bei allzu großer Neugier auf die Finger klopfen sollten. „Journalisten sind in Tibet immer noch nicht sehr gerne gesehen“, sagt Dietmar Schulz. Aber das war nicht das einzige Hindernis in dem von China besetzten Land. In der Hauptstadt Lhasa gehe es „wie fast überall in Pekings Reich vor allem um eins: Wie macht man am meisten Geld“. Selbst in den Klöstern würden die Mönche bei jeder Dreh-Anfrage abkassieren.

„Asiens Ströme – Asiens Zauber“: 1. Folge, ZDF, 22 Uhr 15

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