Medien : Alles ist unmöglich. Toyota

Reinhard Siemes

Eine vierfarbige Anzeigenseite für den Toyota Land Cruiser kostet im „Spiegel“ um die 47 000 Euro. Und ganz hinten als letzte Umschlagseite kommen noch ein paar Euro drauf, so dass der Spaß knappe 50 000 Euro teuer ist. Mehrwertsteuer extra. Dafür dürfen sich Texter und Grafiker der zuständigen Werbeagentur Change Communication in Frankfurt ruhig was Originelles einfallen lassen. Haben sie vermutlich auch getan. Aber dann kamen die berühmten Meetings. Erst intern mit dem Chef Klaus Flettner, der darauf achten muss, dass dem Toyota-Werbeleiter alles gefällt. (Seiner Frau natürlich auch). Dann mit Geschäftsführer, Marketingleiter, Verkaufsleiter und Produktmanager auf der Kölner Toyota-Allee. Und möglicherweise noch mit einem Europa-Manager, der japanischen Firmenspitze und einem Forschungsinstitut.

Auf diese Weise entstehen berstende Fahrbahnen aus Stahlplatten, falsche Schatten. Und Sprüche, die jedes Reserverad zum Selbstmord treiben: „Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Egal in welchem Gelände.“ Gemeint sind natürlich Gefühle. Auf Stahlplatten, die Eis darstellen sollen, entwickelt der Autofahrer keine Phantasie. Sondern ein Gefühl, das gemeinhin als nackte Angst bekannt ist.

Aber es kommt noch schlimmer: „Der neue Toyota Land Cruiser. Die Legende neu definiert.“ Der Berliner nennt diese Inflation des Neuen redundant und meint damit doppelt gemoppelt. Sobald er aber in den Text reinliest, fällt selbst ihm rein gar nichts mehr ein.

Was, bitteschön, soll er sich unter einem aktiven, hydropneumatischen Fahrwerk TEMS vorstellen? Und wie darf er die einzigartige Berganfahrkontrolle HAC verstehen, die jede Herausforderung meistert? Nun gut, sofern er aus Hohenschönhausen kommt, ist er Technik-Freak. Er weiß zwar auch nicht, was ein 3,0D-4D Common-Rail- Diesel bedeutet. Aber vielleicht ist ihm aus Trabbi-Zeiten das 4,0 V6 WT-i-Benzinaggregat ein Begriff. Und zwar auf allen Wegen, wie ihm der Text versichert. Nur, was machen die armen Wessis, die lediglich wissen, dass ein Golf vier Räder hat und ansonsten ein gutes, zuverlässiges Auto ist?

Um Toyota nicht Unrecht zu tun, habe ich gestern in meiner Stammkneipe Klaus Schneidereit gefragt, was ein 3,0D-4D Common-Rail-Diesel eventuell bedeuten könnte. Klaus macht für den Bayerischen Rundfunk Sportreportagen und ist, was aktuelle moderne Technik angeht, ein wandelndes Lexikon. (Ich habe ihn sogar als Telefon-Joker ausgewählt, falls ich mal bei Günther Jauch auf dem Stuhl sitzen darf.) Er zögerte ein Viertelminütchen. Dann äußerte er den Verdacht, es könne, ja müsse, sich um eine neue Diesel-Lok handeln, die von Japan nach Alaska fährt. Anders sei dieser Quatsch nicht zu erklären.

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