Medien : Alles kommt wieder

Friedrich Küppersbusch über seine Produzentenpläne und sein Verhandlungsgeschick

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Viele Produktionsfirmen sind von großen Medienkonzernen bereits aufgekauft worden. Was würden Sie machen, wenn etwa Bertelsmann Ihnen für probono ein lukratives Übernahmeangebot macht?

Naja…Ich würde wie jeder vernünftige Kaufmann maulen, dass mir das Angebot zu schlecht sei. Außerdem würde ich noch im Vertrag die Freiheit haben wollen, eine eigene neue Firma gründen zu dürfen. Und dann löst sich das Angebot normalerweise in Luft auf. Meiner Meinung nach verträgt sich ein großer Apparat wie ein Medienkonzern nicht zwangsläufig mit Kreativität.

Sie sagten einmal, Sie seien ein Mittelfeldspieler und wollen nicht immer Tore vor der Kamera schießen. Haben Sie sich mit Ihrer Produzentenrolle aus den vorderen Reihen zurückgezogen?

Im Zweifel muss man auf jeder Position spielen können, um im Fußballbild zu bleiben. Und eine Sendung über die Maßen auszureizen, war mir zu einseitig. Außerdem mag ich es nicht, neue Sachen zu machen, die lau sind, das brauche ich nicht. Da bin ich einfach auch verdorben durch das Glück, dass meine erste große Arbeit als Moderator mit „ZAK“ gleich sehr erfolgreich war und noch dazu gut zu mir gepasst hat.

Die Nachfolgesendung „Privatfernsehen“ wurde vom WDR nach einem Jahr beendet, und von Gabi Bauers ARDSendung haben Sie sich als Produzent für den WDR zurückgezogen: Man gewinnt den Eindruck, dass Sie sich missverstanden fühlen und vor allem mit dem WDR hadern.

Nö. Ich habe damals gelernt, dass der WDR nicht meine große Familie ist, da war ich etwas naiv. Es war eben eine nüchterne Unternehmensentscheidung, davon kann man nur lernen. Was Gabi Bauer angeht: Die magische Schwelle für ein neues Format ist ein Jahr. Wenn es danach weitergeht, sagt der eine Auftraggeber: Danke, läuft ja gut mit euch. Und der andere: Danke, jetzt können wir’s auch ohne euch. Wenn ich Risiken ausschließen wollte, dürfte ich nicht Produzent sein.

„Was Ihr Wollt“, das von Ihnen entwickelte Konsumentenmagazin für besondere Produkte, wird bei Arte und dem ZDF ausgestrahlt. Darin scheint der kritische Journalist Küppersbusch als Produzent mit dem Kommerziellen zu liebäugeln und Risiken auszuschalten.

Ich würde Arte gern jederzeit die auf einen kommerziellen Sender entfallenden Werbeeinnahmen gönnen. Das zunächst mal zum Thema Kommerzielles. Und wenn Sie Wiglaf Drostes Kochschürze nachzukaufen versuchen, oder Irish Coffee nur am Originalschauplatz trinken, werden Sie erstens wahnsinnig, zweitens sehr betrunken oder drittens arm. Ein schönes Ergebnis für ein Verbrauchermagazin. Und diejenigen, die von mir ewig Klassenkampf erwarten, kann ich ja nur noch dadurch enttäuschen, dass ich das gerade nicht mache. Wenn ich ausschließlich für die Dienstleistung kritischer O-Töne stehen würde, dann wäre genau das ein kommerzieller Küppersbusch…

… und was macht den Erfolg Ihrer n-tv-Sendung „Maischberger“ aus?

Sandra Maischberger ist wirklich neugierig und unsere Gesprächssendung ist kein Theater, wo der Moderator zwei Schachzüge macht und dann die üblichen Verdächtigen in eine Schreierei verwickelt. Dazu kommt, dass sie im Handwerklichen ein Glücksfall ist, da sie mit erst Mitte 30 schon seit langen Jahren über umfassende Berufserfahrung verfügt. Die haben andere in ihrer Position oft erst mit 50 gefunden. Das betrifft auch ihre sehr schnelle Lernfähigkeit.

Haben Sie denn gar keine Lust, mal wieder vor die Kamera zu treten?

Wir sind so gut mit Aufträgen versorgt, dass ich gar nicht dazu komme, ernsthaft darüber nachzudenken. Ich ahne, dass von außen betrachtet der Moderatorenjob offensichtlich als die Krone der Schöpfung angesehen wird. Man kann auf der großen Trommel herumschlagen, und jeder hört es. Aber persönlich ist der Job ein Nullsummenspiel und hat auch Nachteile, weil man ständig öffentlich bewertet wird und nirgendwo mehr unerkannt einkaufen kann. Es war ein großartiger Abenteuerurlaub vor der Kamera.

Welche Pläne gibt es für neue von Ihnen produzierte Sendungen?

In diesem Jahr stellen wir neben „Maischberger“ und „Was Ihr Wollt“ unter anderem für den NDR noch ein Roadmovie mit Benjamin von Stuckrad-Barre mit dem Titel „Ich war hier“ her – der Film kommt im Sommer. Der Dreiteiler „Alles kommt wieder“ für das ZDF wird Ende August ausgestrahlt. Aus Anlass des 40. ZDF-Geburtstags.

Das Gespräch führte Bernd Rasche.

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