Medien : Alles nur Blödsinn

Freier war er nie: Thomas Gottschalk ist mit „Wetten, dass...?“ auf Abschiedstournee

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Macht mal „Bunny“. Thomas Gottschalk demonstriert Michelle Hunziker (links) und 9,06 Millionen Zuschauern, was des „Playboys“ Wappentier ist. Showgast Catherine Deneuve wusste das schon, denn der Kinostar hatte sich einst für das Magazin ausgezogen.Foto: dpa
Macht mal „Bunny“. Thomas Gottschalk demonstriert Michelle Hunziker (links) und 9,06 Millionen Zuschauern, was des „Playboys“...Foto: dpa

Vielleicht sieht man im drohenden Verlust die Dinge klarer – möglich aber auch, dass ein Schockmoment am Anfang den Fernsehkritiker aus der Fassung brachte. Thomas Gottschalk also, der sich auf seiner Abschiedstournee befindet, war mit „Wetten, dass...?“ am Samstagabend in Augsburg und er kam auf die Bühne und sagte, dass sich hier in Augsburg der Kreis schließen würde, schließlich sei es hier gewesen, 1987, dass Frank Elstner, Erfinder und erster Moderator der Sendung, Gottschalk als seinen Nachfolger benannte. Und jetzt war Markus Lanz zu Gast.

Kreis, schließen, Markus Lanz – der Mann, dessen Fernsehtätigkeit selbst ausgebuffte Kritiker zum Verzweifeln bringt, gehört in der großen Gottschalk-Nachfolge-Spekulation zu den Kandidaten, er ist dabei der Taube unter den Einäugigen, und man kann nur hoffen, dass die ZDF-Verantwortlichen sich seinen Auftritt genau angeschaut haben. Lanz hatte das Glück, dass einige Gäste in der vergangenen Woche ihr Kommen abgesagt hatten – die Schauspieler Thomas Kretschmann und Nadja Uhl konnten oder wollten nicht. Ersatz fand man mit Til Schweiger, der mal nicht dauernd schreien konnte „Wegsperren“, weil Gottschalk mit ihm nicht über Sexualstraftäter sprach – das tut Lanz gefühlt einmal pro Woche in seiner eigenen Show; in anderen Shows findet sich Lanz nicht zurecht, er nervt sogar, indem er jeden, den er kennt, einen „wunderbaren Menschen“ nennt und darauf hinweist, dass er regelmäßig mit Udo Jürgens telefoniert. Als Gottschalk Lanz mitteilte, er müsse sich in einen Kühlschrank stellen, falls er seine Wetten verliert, sagte er Lanz, dass das ja auch irgendwie ein Symbol gegen den Klimawandel sei. Gottschalk sagte daraufhin, dass das schön sei, wenn er das so sehe – für ihn sei es einfach nur Blödsinn.

Und das war der zentrale Gottschalk-Satz an diesem Abend, und es mag sein, dass es schon größere, spektakulärere „Wetten, dass...?“-Sendung gegeben hat – aber selten in den vergangenen Jahren sah man einen Gottschalk, der so sehr bei sich ist. Er scheint wie von einer Last befreit, er wirkt tatsächlich vor allem: frei. Er scheint etwas abgenommen zu haben, er war für seine Verhältnisse gut angezogen und er führte unangestrengt durch die Show, es fiel ihm leicht, er wirkte wie jemand, dem es im besten Sinne egal ist – vielleicht auch, weil durch seinen Rücktritt seine Bedeutung für das deutsche Fernsehen endgültig feststeht. Thomas Gottschalk muss nichts mehr beweisen, aber er bewies dann doch, dass man Schauspielern und Musikern im Grunde keine Fragen stellen muss, weil sie sowieso keine Antworten geben.

Alles war Blödsinn am Samstagabend – die Wetten, die Gäste, und wenn man doch einmal kurz zu RTL geschaltet hat, weil man vielleicht dann doch nicht mehr versteht, wieso Justin Bieber ein Popstar ist, dann erkannte man einen Unterschied. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ tun Moderator, Jury und Verantwortliche so, als ob es nichts Wichtigeres gäbe als diese Show. Als ob sie eine Rolle spielen würde. Als ob das alles ernst gemeint sei. Es wirkt lächerlich.

Und Thomas Gottschalk, der große alte Clown des deutschen Fernsehens, macht einfach nur ein bisschen Blödsinn. Nicht mehr. Nicht weniger.

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