Medien : Allianz der Unfähigen

Mainzer Tage der Fernseh-Kritik diskutieren die Medienkrise

Harald Martenstein

Bei den 36. „Mainzer Tagen der Fernseh-Kritik" geht es um die Krise des Medienmarktes. Die Branche schwankt zwischen Durchhalteparolen und Selbstgeißelung. „Die Krise ist eigentlich das Normale", sagte zum Beispiel der neue ZDF-Intendant Markus Schächter, der die Veranstaltung zum ersten Mal eröffnete.

Aber wie weit geht es noch runter? Der Unternehmensberater Fredmund Malik aus St. Gallen prophezeit ein Absinken des Dax auf 1000 Punkte. Die Krise stehe noch ganz am Anfang. Hauptschuldige in den Medien seien die „naiven“ Wirtschaftsjournalisten, die das Opfer ihrer eigenen Prognosen seien. Die „miserable“ Wirtschaft der USA werde von den Medien seit langem überschätzt, sagt Malik, die solide deutsche Wirtschaft dagegen sei schlecht geredet worden. Manager und Wirtschaftsjournalisten haben in ihrem Glauben an einen ewigen Boom eine „Allianz der Unfähigen“ gebildet, so hieß in Mainz.

Einig ist man sich darüber, dass altmodische Werte, Begriffe und Persönlichkeitsstrukturen die nächsten Jahre beherrschen werden, in den Medien und anderswo: Der vorsichtige Unternehmer, der solide Manager, Begriffe wie Wert oder Kunde. Ist womöglich Haim Saban, der Käufer von Sat 1 und Pro 7, Unternehmer aus den USA, das letzte Opfer des Boomklimas mit seinen unrealistischen Preisen? So sieht es unter anderem Andreas Fritzenkötter von der Bauer Verlagsgruppe, früherer Sprecher des Kanzlers Helmut Kohl. Saban habe zu viel bezahlt. Grundsätzlich sei es eine Gefahr, wenn ausländische Investoren in Deutschland ganze Fernsehketten kaufen dürften. Deutschland, so Fritzenkötter, „ist das einzige Land, das so etwas zulässt“.

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