"Almuth und Rita" : Senta Berger und Cornelia Froboess gemeinsam im TV

Vornehm trifft Schnauze: Senta Berger und Cornelia Froboess standen für "Almuth und Rita" erstmals seit über 50 Jahren wieder zusammen vor der Kamera. Nun ist das ungleiche Duo im TV zu sehen.

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Nichts wie raus ins Leben. Almuth (Senta Berger, links) und Rita (Cornelia Froboess) flüchten aus dem Krankenhaus. Foto: ARD Foto: ARD Degeto/Sabine Finger
Nichts wie raus ins Leben. Almuth (Senta Berger, links) und Rita (Cornelia Froboess) flüchten aus dem Krankenhaus. Foto: ARDFoto: ARD Degeto/Sabine Finger

Zwei große Karrieren sind das. Die von Cornelia Froboess, 70, begann 1951, als die freche Berliner Göre mit dem Lied „Pack die Badehose ein“ Furore machte. Engagements für Bühne, Film, Funk und Fernsehen schließen sich an. Früh schon wird sie mit Peter Kraus in „Conny und Peter machen Musik“ (1960) zur Legende. Da ist sie 17. Das Bild der Conny hält sich lange. Titel wie „Der Musterknabe“ (1963) oder „Rheinsberg“ (1967) folgen. In „Derrick“, „Der Kommissar“, „Der Alte“ und „Ein Fall für Zwei“ hatte sie die früher so begehrten Gastauftritte. In München war sie jüngst unter der Regie von Dieter Dorn am Residenztheater im „Käthchen von Heilbronn“ zu sehen.

Senta Berger, 72, kam in Wien zur Welt und hat den Charme dieser Stadt bis heute nicht verloren. Sie hat als eine der ganz wenigen Schauspielerinnen deutscher Sprache Anfang der 1960er Hollywood erobert und an der Seite von Stars wie Kirk Douglas und Charlton Heston, Yul Brunner und John Wayne gedreht, in Filmen wie „Sierra Charriba“ (1965) oder „Der Schatten des Giganten“ (1966). Sieben Jahre dauerte diese Phase. Dann die Rückkehr nach Europa. Bis heute ist sie produktiv und kreativ wie nur wenige, das Fernsehen hat sie seit langem für sich gewonnen. Seit 1966 ist sie mit dem Regisseur Michael Verhoeven verheiratet und lebt in München, wo nicht zuletzt die ZDF-Reihe „Unter Verdacht“ seit 2002 gedreht wird.

Im Spätsommer 2013 standen die Berger und die Froboess erstmals seit 1961 wieder zusammen vor der Kamera. Das ist ein schöner Umstand – zwei der bedeutendsten Schauspielerinnen in einer gemeinsamen Produktion zu erleben. „Almuth und Rita“ (Drehbuch: Brigitte Blobel; Regie: Nikolai Müllerschön) erzählt die Geschichte zweier denkbar unterschiedlicher Frauen: Da ist die ehemalige Zahnärztin Dr. Almuth Seegers (Senta Berger), die ihren letzten Arbeitstag hat. Sie hat ihre Praxis verkauft, an ihren Nachfolger, an einen Jüngeren.

Die nächste Lebensphase beginnt. Almuth findet sich in ihrer geräumigen, elegant eingerichteten Münchner Altbauwohnung wieder, ohne so recht zu wissen, was nun mit sich anfangen. Uninspiriert sitzt sie in ihrer neuen Lebenssituation herum. Sie greift zum Hörer und meldet sich bei Klaus (Wolfram Berger), der früher einmal für sie geschwärmt hat. Urzeiten ist es her, dass sie Kontakt hatten. Ihre alte Mutter Elisabeth (Kerstin de Ahna) besucht sie einmal alle sieben Tage, Samstag von Punkt 16 Uhr bis Punkt 17 Uhr, im Seniorenheim. Keine Umarmung, kein Wort, keine Geste der Nähe, der Empathie. Almuth lebt in einem Eismantel. Alle und jeden hält sie auf Distanz. So wie es ihre rigide Mutter ihr vorlebte. Selbst ihre eigene, längst erwachsene Tochter Kathrin (Patricia Aulitzky) kommt an Almuth nicht ran, sie hat sich mit der Absenz der eigenen Mutter längst abgefunden.

Eines Tages steht Rita Ritter (Cornelia Froboess) in Almuths Wohnung. Wie aus dem Nichts ploppt sie hervor. Rita, aus der ehemaligen DDR stammend, ist Almuths Putzfrau, schon seit mehreren Jahren. Da Rita bisher immer vormittags putzen kam, als Almuth in der Praxis ihren Patienten auf den Zahn fühlte, gab es auch hier keinen Kontakt. Man kannte sich nicht.

Welten prallen aufeinander: Rita plappert drufflos, sacht, wat se denkt. Almuth reagiert mit dem von ihrer Mutter Elisabeth übernommenen Standardsatz „Schluss, aus, Themenwechsel!“ Die beiden sehr ungleichen Charaktere geraten fortan von Konflikt zu Konflikt. Und nähern sich dabei an.

Die Tragikomödie „Almuth und Rita“, hätte, straffer und stringenter erzählt, ein richtig guter Film mit Tiefgang werden können. Wenn es mehr schöne Momente gäbe, so als die beiden Frauen draußen sind auf dem bayerischen Land, wo Almuth eine kleine Holzhütte hat, und sie sich gegenseitig ihre Fehler und Schwächen spiegeln. Sich letztlich ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten vorwerfen. Ihr jeweiliges Anderssein. Sie sei seit tausend Jahren nicht mehr umarmt worden, bellt die Berliner Schnauze die vornehme Münchnerin an – und greift beherzt zu. Doch diese abrupte Nähe, die hält die pensionierte Zahnärztin gar nicht aus. Sie befreit sich aus der Umarmung und rennt, rennt über die Wiese.

Eine andere schöne Sequenz ist die, in der endlich, spät, sehr spät das Eis zwischen Mutter Almuth und Tochter Kathrin aufbricht. Da sieht man die beiden Frauen auf einer Parkbank sitzen, von hinten, in der Rückansicht. Ganz vorsichtig, ganz zaghaft sind die ersten Berührungen, die doch eigentlich so selbstverständlich wären. Vor allem von der Bewusstwerdung der Almuth Seghers erzählt dieser Fernsehfilm.

„Almuth und Rita“, ARD, Freitag, 20 Uhr 15

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