Medien : Alt liebt jung: Wie ein ZDF-Film ein Thema verschenkt

Jeannette Krauth

Was für eine Schande. Das Thema ist so gut. Älterer Mann liebt junge Frau. Und die Umwelt empört sich. Der Film „Die Hochzeit meines Vaters“ soll genau davon handeln. Soll, weil er achtlos mit dem guten Stoff umgeht. Die Story: Chefarzt, Mitte fünfzig, lebt mit End-Zwanziger-Tochter allein in München. Die Mutter starb vor 14 Jahren. Nun verliebt sich der Vater. Da flippt die Tochter aus. Drei Tage lang streitet sie, zieht aus, intrigiert, weint, und besinnt sich schließlich.

Verschenkt wird das gute Thema schon bei der Wahl der Schauspieler. Das neue Paar, gespielt vom erfahrenen Michael Mendl als Chefarzt Max und Anna Loos als seine Freundin Mona, wirkt viel zu normal. Er ist Mitte fünfzig, sie Mitte dreißig. Ein Altersunterschied, der selbst bei Rosamunde Pilcher als „nicht erwähnenswert“ gälte. Kaum nachvollziehbar, weshalb die Tochter (Bernadette Heerwagen) da das Gefühl haben soll: Die Neue ist ja so alt wie ich. Das macht sie dann auch nicht, sondern beschimpft Mona lieber als peinlich, nicht zurechnungsfähig. Womit das spannende Thema „Alt liebt Jung“ schon sein Ende gefunden hätte. Die Tochter ist die Einzige, die sich aufregt.

Doch noch nicht mal mit dem Anspruch, softes Liebesringen anzuschauen, wird der Zuschauer hier befriedigt. Die Figuren sind überladen, Mona etwa muss als Beweis ihrer Flippigkeit mit dem Charme einer Putzfrau auf Droge durch den Film wirbeln, Hippiehemdchen und echte Schlangen tragen. Genauso plump die Dialoge. Etwa, als der Vater seine Liebe zu Mona verteidigt: „Du liebst jemanden, obwohl du weißt, dass einige der Dinge, die er macht, ein bisschen bescheuert sind. Aber das, was außerdem da ist, das entschädigt dich. Und zwar doppelt und dreifach.“ Eine annehmbare Volksweisheit. Schlimm nur: Dies ist der beste Satz im Film.

Alles, was man hier mitnehmen kann: Den Blick in schöne Münchener AltbauWohnungen und die Lehre, dass Haarbänder selbst langweilige Hochsteck-Frisuren rausreißen.

„Die Hochzeit meines Vaters“, ZDF, 20 Uhr 15

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