Medien : Alt werden, nicht alt sein

Eine Dokumentationsreihe auf 3sat zeigt, wie wir in Zukunft leben, lernen, arbeiten

Kurt Sagatz

Diesen Terminkalender muss man erst einmal beherrschen: Montags Englisch, dienstags der politische Gesprächskreis, dazu noch die Treffen der Linkspartei und der Verfolgten des Nazi-Regimes – „und dann bin ich auch noch bei Attac“, erzählt der 93-jährige Walter Hähnel der Dokumentarfilmerin Kerstin Brakebusch. Mit ihrem Film „Methusalems Geheimnisse“ startet 3sat an diesem Sonntag die sechsteilige Reihe „Z wie Zukunft“, in der unter Mithilfe des Wissenschaftsrats beschrieben wird, wie eine immer älter werdende Gesellschaft in Zukunft leben, lernen und arbeiten wird. Hähnels Bruder Hermann, der bereits 90 Jahre alt ist, erwidert nur: „Man wird noch gebraucht.“

Gebraucht werden die beiden Hähnel- Brüder unter anderem für Europas größte Studie über Genetik und Langlebigkeit. Der Mediziner und Genforscher Stefan Schreiber vom Universitätsklinikum Kiel hat Erstaunliches festgestellt: Jedes Jahr, das ein Mensch in der westlichen Industriegesellschaft später geboren wird, lässt seine Lebenserwartung um drei Monate steigen. Allerdings nicht beliebig, wie der 3sat-Film von der Biochemikerin Ulrike Beisiegel vom Hamburger Institut für molekulare Zellbiologie erfährt: „Es gibt eine Grenze, die sich nicht weit über 120 Jahre hinausschieben lassen wird“, sagt die Wissenschaftlerin.

In jedem Fall geht es nicht allein um die Quantität an Jahren, die ein Mensch auf der Erde verbringt, sondern um die Qualität des Lebens. Anders gesagt: Alt werden, nicht alt sein, ist darum auch das Ziel der Wissenschaft. Einerseits, damit jeder Einzelne durch richtige Ernährung und sportliche Aktivitäten länger gesund bleibt. So wie die im Film gezeigte 96-Jährige, die noch immer regelmäßig in einer Turnhalle trainiert – und zwar nicht nur sich selbst, sondern gleich eine ganze Gruppe älterer Menschen. Andererseits müssen die gesammelten Erkenntnisse auch an die Gesellschaft insgesamt weitergegeben werden. In Bielefeld ist dies bereits geschehen. Statt neue Seniorenheime zu bauen werden in der nordrhein-westfälischen Stadt die Wohnungen altengerecht umgebaut. Als Fernziel sollen konventionelle Altenheime in Bielefeld bald ganz der Vergangenheit angehören.

Zur Kooperation zwischen 3sat und dem Wissenschaftsrat gehört, dass jeweils ein Wissenschaftler zum Paten eines Teils der Dokumentation wurde – wie die Biochemikerin bei „Methusalems Geheimnissen“. Im zweiten Teil „Mensch- Maschinen – Die Zukunft unseres Körpers“ übernahm Eberhart Zrenner von der Universitäts-Augenklinik Tübingen diese Rolle. Denn in einer alternden Gesellschaft wird es zunehmend wichtiger, menschliche Behinderungen – egal ob angeboren oder durch einen Unfall entstanden – zu beseitigen. Zrenner hat ein elektronisches Netzhautimplantat entwickelt, um zumindest einen Teil der Sehfähigkeit wiederherstellen zu können. Aber auch das zeigt der Film: Wunder kann selbst die Wissenschaft nicht vollbringen. Mehr als einen hellen Teller auf einem dunklen Untergrund kann man auch trotz Implantat nicht erkennen. Allerdings bleiben die Forscher den Wundern auf der Spur, immer häufiger mit Hilfe der Natur. So gibt es Salamanderarten, bei denen alles nachwächst, sogar das Herz. Die Zukunft wird somit noch manche Überraschung bereithalten.

„Z wie Zukunft“, 3sat, 18 Uhr, 1. Teil: „Methusalems Geheimnisse – Unsere Zukunft im Alter“, die anderen Teile folgen an den nächsten Sonntagen

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