Alte Leier oder frischer Blues? : „heute“-Fanfare

Das Oberlandesgericht München muss klären, ob die Erkennungsmelodie neu komponiert ist oder nur neue Element enthält. Der Komponist der Ur-Version hat geklagt.

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Als das ZDF 2009 seine Nachrichtensendungen moderner präsentieren wollte, fiel diesem Ziel auch die klassische „heute“-Erkennungsmelodie zum Opfer – der „Fanfarenblues“, im Jahr 1962 vom Komponisten Klaus Wüsthoff geschrieben und Anfang der 1980er Jahre noch einmal von ihm überarbeitet. Die jüngste Version der „heute“-Melodie vor fünf Jahren modernisierte der Sender eigenmächtig mit Hilfe einer niederländischen Produktionsfirma. Wüsthoff beklagte sich daraufhin beim ZDF, der neue Jingle nehme keine Rücksicht auf die Hörgewohnheiten der Zuschauer.

Aber war das nun eine Neukomposition oder nicht? Darüber streiten das ZDF und der Richard-Birnbach-Musikverlag, der Wüsthoff vertritt, am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht München. „Ich sehe es nicht so, dass es etwas ganz Neues ist“, sagt die Chefin des Musikverlages, Gisela Birnbach, die dem ZDF Urheberverletzung vorwirft. „Die Fanfare höre ich eben“, betont sie. Das ZDF selbst will sich zu diesem schwebenden Verfahren nicht äußern, das Landgericht München wies die Birnbach-Klage allerdings im vergangenen Jahr mit der Begründung ab, es handle sich um eine neue Komposition und nicht um die unzulässige Bearbeitung eines bereits bestehenden Werkes nach Paragraf 23 des Urheberrechtsgesetzes. Wüsthoff und dem Verlag stünden damit „weder Verbietungs- noch Schadensersatzansprüche“ zu. Jetzt geht es in die zweite Runde.

Die „heute“-Melodie ist nicht der einzige berühmte Auftakt zu einer öffentlich-rechtlichen Sendung, der zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung vor dem OLG geführt hat. Das Gericht musste sich im Jahr 2011 mit dem Vorspann der ARD-Krimiserie „Tatort“ beschäftigen. Es entschied damals, dass der inzwischen gestorbenen Grafikdesignerin Kristina Böttrich-Merdjanowa, die den Vorspann entwarf, weder Namensnennung noch Nachvergütung zusteht.dpa/Tsp

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