Medien : Am Gelde hängt’s, zum Gelde …

Film und Fernsehen tun Berlin gut. Trotzdem wird die „Luftbrücke“ in München gedreht

Joachim Huber

Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Stars, Limousinen, Lächeln, glückliche Preisträger: Heute abend wird der Medienstandort Berlin sich seiner überregionalen Bedeutung wieder stolz vergewissern. Im Theater am Potsdamer Platz wird der „First Steps", der Preis für den Filmnachwuchs verliehen. 24 Filme deutscher Hochschulen sind für fünf Kategorien nominiert. „First Steps" wird zum vierten Mal vergeben, eigentlich ist er selbst noch ein Nachwuchspreis, und doch ist er in der Branche längst als Erwachsener akzeptiert. Ausgerichtet und finanziert vom Fernsehsender Sat 1, von den Produktionsfirmen Constantin Film und teamworx sowie Spiegel TV und Mercedes Benz, führt „First Steps" dem deutschen Film und Fernsehen frisches Blut zu. Sat-1-Chef Martin Hoffmann zieht beim Pressegespräch eine beeindruckende Liste mit Namen aus der Tasche, die über „First Steps" und die weitere Nachwuchsförderung des Hauptstadtsenders (zusammengefasst unter dem Label „Sat-1-Talents") entdeckt und engagiert wurden. Zum Beispiel bei der Regie: Christiane Balthasar („Callboys“), Miguel Alexandre („Der Pakt – Wenn Kinder töten") oder „Oscar"- Preisträger Florian Gallenberger; zum Beispiel Schauspiel: Daniel Brühl („Der Pakt"), Matthias Schweighöfer („Verbotenes Verlangen – Ich liebe einen Schüler") oder Elena Uhlig („Problemzone Mann"). Hier wird stellenweise mit prominenten Namen geprotzt, die mehr zufällig als mit planvoller Nachwuchsförderung durchs Sat-1-Programm gelaufen sind.Trotzdem hat die deutsche Fernsehwirtschaft, in deren Zentrum auch die öffentlich-rechtlichen Sender gehören, ihre Nachwuchsarbeit über die Jahre enorm erweitert und professionalisiert.

Keine Rose ohne Dornen: teamworx-Chef Nico Hofmann sagt, dass für manche Regisseure „nach der Ausbildung und dem ersten betreuten Film die Probleme beim zweiten oder dritten Werk anfangen". Dann muss der Nachwuchs selber laufen, „hier ist die produzentische Betreuung gefragt", schwierig in einer von Zeit, Geld und Hektik geprägten Branche. Außerdem wird im Film-und-Fernseh-Deutschland viel ausgebildet. Der „Ausstoß" von Nachwuchs bei Regie, Drehbuch und Schauspiel hilft auf der einen Seite, das fiktionale Fernsehen als Fernsehen von heute, als „jung", auf jeden Fall „modern" und mit neuen Sprachen zu arbeiten, auf der anderen Seite gesteht Hofmann zu, dass „ältere Regisseure, und älter heißt da schon ab 40, 45 Jahren, von Arbeitslosigkeit nicht nur bedroht, sondern betroffen sind". Arbeit heißt Produktion, Produktion braucht Geld. Geld ist knapp, weshalb die Fernsehwirtschaft gerne in staatliche Fördertöpfe einzahlt, um doppelt und dreifach ausbezahlt zu bekommen. Die Region Berlin-Brandenburg gilt momentan als das unumstrittene Energiefeld und Kreativzentrum des deutschen Films und Fernsehens. 30 Millionen Euro hat der Filmboard Berlin-Brandenburg für die Förderung gegenwärtig im Jahr zur Verfügung, die NRW-Einrichtung glatt das Doppelte – 60 Millionen. Das geht dann so: Nico Hofmann lässt die ARD-Produktion „Stauffenberg" in Berlin andrehen, dann geht es nach Köln; gleiches bei der „Berliner Luftbrücke", einem Ur-Berliner Stoff: Beginn der Produktion an der Spree, Fortsetzung in München.

Nun gehört Meckern zum guten Berliner Ton, aber die Verantwortlichen von Sendern und Produktionswirtschaft wollen nicht länger meckern, sondern die Politik in der Region noch stärker darauf stoßen, „welches Pfund die Film- und Fernsehwirtschaft für Berlin und Brandenburg ist" (Hoffmann). Für die Hauptstadt, nicht für Brandenburg, hat Hofmann einen „Mentalitätswechsel" ausgemacht: „Klaus Wowereit engagiert, anders als Eberhard Diepgen, sich wirklich für unsere Branche, auch der Wirtschaftssenator Harald Wolf ist da gut."

Auch der teamworx-Chef hat einen „Gebetszettel" in der Tasche. Da steht zum Beispiel: Die Film- und Fernsehwirtschaft gehört zu den wenigen Wachstumsbranchen der Hauptstadt. Gegenüber 1998 sind Beschäftigungsgewinne von gut 40 Prozent erreicht worden. Mehr als 10 000 Beschäftigte sorgen für einen jährlichen Umsatz der Film- und Fernsehwirtschaft von inzwischen 800 Millionen Euro. Jeder Euro aus dem Filmboard-Etat führt zu einem wirtschaftlichen Effekt von drei Euro. Fazit: „Die Saat geht auf!" Vor solchem Hintergrund werden sich Hofmann & Hoffmann auf dem roten Teppich erst selbst umarmen und dann Klaus Wowereit, den Regierenden Bürgermeister ihres Vertrauens. Und die Fernsehkameras werden diese Bilder vom selbstgewissen Medien-Berlin in alle Welt tragen.

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