Medien : Am Ruf der ARD arbeiten

Mit Peter Boudgoust löst ein Jurist Peter Voß als Intendanten des Südwestrundfunks ab

Bettina Wieselmann

„Man muss nicht Journalist sein, um Kompetenz, Liebe und Leidenschaft für das Programm mitzubringen.“ Als Peter Boudgoust, der SWR-Verwaltungsdirektor, gestern um 10 Uhr 25 als erster der drei Kandidaten um den Intendanten-Posten beim zweitgrößten ARD-Sender seine selbstbewusste Bewerbungsrede beendete, schlug ihm viel Beifall entgegen. Nicht wenige aus der Riege der über 80 versammelten Mitglieder des Rundfunk- und des Verwaltungsrats hatten vor Sitzungsbeginn auf einen Erfolg Boudgousts im ersten Wahlgang getippt.

Der 51-jährige gelernte Verwaltungsjurist mit Stationen im Regierungspräsidium Stuttgart und als Abteilungsleiter im Staatsministerium verpasste den Sieg im ersten Anlauf mit zwei Stimmen nur ganz knapp. Seine beiden Kollegen, Landessenderchef Willi Steul und Fernsehdirektor Bernhard Nellessen – beide ausgewiesene Journalisten – wurden deutlich hinter Boudgoust platziert: Steul bekam mit 22 Stimmen halb so viel wie der Favorit, Nellessen nur ein Drittel, weswegen sich dieser „als Sportsmann“, wie der Rundfunkratsvorsitzende Hans Lambert sagte, zurückzog. Steul stellte sich ein zweites Mal: 62 zu 20 für Boudgoust lautete das Ergebnis.

Dass sich so schnell eine klare Mehrheit schwarzer, roter, grauer Räte für den gebürtigen Mannheimer fand, lässt Noch-Intendant Peter Voß, der hinter den Kulissen manch’ Strippe für seinen Kandidaten zog, „in aller Fröhlichkeit“ am 30. April Abschied nehmen: Auch wenn alle drei Bewerber eine gute Figur gemacht hätten, „Boudgoust ist der Richtige“. Er sei Garant dafür, dass der SWR einen klaren Kurs fährt „und resistent bleibt gegen alle Versuche unzulässiger Einflussnahme durch politische oder sonstige Interessengruppen“. Wie zu hören war, hatte der Nachfolger, von dem manche Personalentscheidung erwartet wird, jüngst Gelegenheit, davon Beweis abzulegen. Der künftige Intendant, der hausintern wie ARD-weit als integrativ gerühmt wird und nichts von der Ruppigkeit hat, die dem Amtsinhaber hin und wieder eigen ist, will es keineswegs allen immer nur recht machen: „Quote allein genügt nicht. Wir müssen auch die Meinungsführer erreichen und Vielfalt, Qualität ausstrahlen.“ Auch wenn man „nicht immer alle nur aufregen kann, müsse im SWR-Programm Platz für Sperriges, Ungeschminktes“ sein. Unüberhörbar klang da auch Kritik am nicht ohne Grund häufig als hausbacken empfundenen dritten Fernsehprogramm an.

Mit Applaus wurde die Passage in Boudgousts Rede zu den ARD-Verhandlungen mit Günther Jauch bedacht: Er passe zur ARD, „aber Werbeträger kann er dann nicht mehr sein“. Die Glaubwürdigkeitskrise des öffentlich-rechtlichen Systems, bedingt durch Schleichwerbungs- und Scheckbuchskandale, steckt auch den Aufsichtsgremien in den Knochen. Der Satz „Es darf keine kommerziellen Ausfransungen mehr geben“ lief daher vielen Räten wie Öl herunter. Die ARD dürfe im Übrigen nicht länger die Abkürzung für „alle reden durcheinander“ sein, setzte das Mitglied ihrer Strategiegruppe „Digitales Fernsehen“ hinzu. Die ARD sei besser als ihr Ruf, an dem aber müsse sie „dringend“ arbeiten.

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