Amazon baut Serien-Streaming aus : Marktführer in kurzer Zeit - und jetzt mehr?

Nazis in den USA, kaputte Anwälte, Sex und Liebe: Amazon lässt bei seinem neuen Streamingangebot wenig aus.

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Eine etwas andere Familienserie. Der Politologe Mort (Jeffrey Tambor, rechts.) hat sich als transsexuell geoutet.
Eine etwas andere Familienserie. Der Politologe Mort (Jeffrey Tambor, rechts.) hat sich als transsexuell geoutet.Foto: Amazon

Wer oder was ist eigentlich Amazon? Ein Online-Versandhändler? Klar. Ein Hardware-Hersteller, Stichwort FireTV oder Kindle-Lesegerät, zum Gucken oder Lesen? Sowieso. Ein Inhalteanbieter, der für diese Geräte eigenes Fernsehen macht, eigene Serien? Auch das. Wie nebenbei hat sich Amazon-Gründer Jeff Bezos noch die traditionsreiche „Washington Post“ gekauft. Einen neuen Musikdienst gibt es auch noch.

Man weiß nicht, ob man das gut finden soll, dieses Prinzip, alles in und außer einer Hand – Amazon hat es mit seinem Prime-Videoangebot jedenfalls geschafft, in kurzer Zeit nach Umfragen deutlicher Marktführer bei den Serien-Streamingdiensten in Deutschland zu werden, vor Netflix, Watchever, iTunes oder Maxdome. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nicht allzu viel ändern, wenn man sich anschaut, mit welchen Serien Amazon an den Start geht.

Die Freiheitsstatue im Nazi-Outfit

Bei der 2016 startenden Drama-Serie „Trial“ mit Billy Bob Thornton und William Hurt um einen heruntergekommenen Rechtsanwalt, der Erlösung sucht, oder einem für 2017 geplanten Projekt mit Woody Allen geschieht das weitestgehend störungsfrei. Seit ein paar Tagen sorgt allerdings „The Man in the high Castle“ für Furore, eine von Ridley Scott produzierte, fiktive Geschichte, basierend auf einem dystopischen Roman von Philip K. Dick, in der die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt haben. Amazon hat diese Serie für ein paar Tage mit der Freiheitsstatue im Nazi-Outfit beworben, diese Plakate nach Protesten aber wieder zurückgezogen.

Über Geschmack lässt sich streiten, das gilt dann wohl auch für die Fortsetzung der Familienserie „Transparent“, die ab 11. Dezember online steht. Die einen sagen: zu schrill. Die anderen: Das ist feinfühlig, ein Juwel. Am Mittwoch hat Amazon in Berlin in Anwesenheit der Autorin Jill Soloway („Six Feet Under“) die erste Folge der neuen Staffel vorgestellt. Die Serie dreht sich um das Leben der Familie Pfefferman, welche aus Mort (Jeffrey Tambor) und seiner Exfrau Shelly sowie den drei gemeinsamen erwachsenen Kindern Sarah, Josh und Ali besteht. Mort ist ein Professor und Politikwissenschaftler. Das Leben der Familie aus Los Angeles ändert sich schlagartig, als Mort sich als transsexuell outet und beschließt, als Frau mit dem Namen Maura weiterzuleben.

Zehn halbstündige Folgen also wieder um die Themen Familie, Identität, Sex und Liebe. Die, so nennt es Soloway, „Familienserie“ hat in Hollywood für Furore gesorgt, da sie es schaffte, das Thema Transgender klischeefrei zu präsentieren. Vielleicht wird das in der zweiten Staffel nicht immer gelingen. Dennoch, „Transparent“ ist die erste Serie eines Streaming-Anbieters, die einen Golden Globe gewinnen konnte. Und Jill Soloway weiß ja, wovon sie schreibt. Ihr Vater hatte sich vor Jahren als Transgender geoutet.

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