Medien : „Ameisenscheiße“, sagt Frau Habermann

Das ZDF dreht ein Special zur „Schwarzwaldklinik“. Wie immer in der Hauptrolle: Klausjürgen Wussow

Werner Bartens[Titisee]

Still ruht der See. Die Sonne spiegelt sich im Wasser, so dass es blendet.

Wer jetzt keinen Schattenplatz hat, findet keinen mehr. Schüler räkeln sich auf Badeinseln und gleiten von aufblasbaren Plastiktieren ins Wasser. Ein Ausflugsboot kreuzt auf dem Titisee. Touristen unter Sonnenschirmen bestellen Schwarzwälder Kirschtorte oder Lachsschnittchen. Draußen nur Kännchen. Ein französischer Gast fragt die Bedienung auf der Gartenterrasse: „Wer ist denn der Mann da vor der Kamera?“ Der Mann vor der Kamera wird noch mehrmals die Frau von der Maske brauchen.

Klausjürgen Wussow schwitzt. Das ZDF hat zum Foto- und Pressetermin an den Titisee geladen und der mittlerweile 75-jährige Darsteller des Professors Brinkmann ist der Star. „Die Schwarzwaldklinik kommt wieder“, berlinert Produzent Wolfgang Rademann kumpelhaft, „und wir haben heute viel Zeit für euch“. Geduzt und hinter ein Absperrband gezwängt, drängeln mehr als 40 Fotografen um die beste Position. Schweiß dunkelt die Hemden nach. Die „Schwarzwaldklinik“ zieht noch immer.

Durchschnittlich 25 Millionen Zuschauer sahen die 70 Folgen der Arztserie von 1985 bis 1989. Jetzt, zum 20-jährigen Jubiläum, soll „ein einmaliges Special“ gedreht werden, das „irgendwann im Winter“ ausgestrahlt wird. Wann genau, will Rademann ebenso wenig verraten wie die Dauer des großen Ereignisses. „Nee, wir machen hier keene Serie“, verrät er immerhin. „Biste verrückt. Ich bin doch nicht so blöd und mache unsere eigene Legende kaputt.“

Als großen Coup haben sich Rademann und Regisseur Hans-Jürgen Tögel ausgedacht, dass der ärztliche Nachwuchs in der Klinik-Schmonzette von Wussows Sohn gespielt wird: „Ich darf auch operieren“, sagt Alexander Sascha Wussow. Er hat es trotzdem nicht leicht. Zwar verträgt der 40-Jährige die Hitze besser als sein Vater, doch die Fotografen wollen nur den alten Herrn. „Herr Wussow hierher, bitte“, rufen sie. Nur einmal entfährt Alexander ein mattes „Welcher?“. Doch alle wissen, wer gemeint ist. Professor Brinkmann wird im Special als „guter Geist“ über den Klinikalltag und seinen Junior wachen.

Das ist auch im richtigen Leben nicht einfach. Da kann das Special im Untertitel ruhig „Die nächste Generation“ heißen. Sascha Wussow darf dann aber doch noch ohne Vater mit seiner Filmpartnerin Eva Habermann posieren – sie spielt eine angehende Gynäkologin. „Kuschelt mal ein bisschen“, rufen die Fotografen. „Noch enger, noch lieber.“ Und dann ziehen alle ihre weißen Kittel an für die nächsten Aufnahmen. Strahlendes Weiß vor strahlendem Blau. Film- und Fotolächeln – wenn’s nicht mehr geht, einfach „Ameisenscheiße“ sagen, rät Habermann.

„Man fühlt sich mit so einem Arztkittel gleich kompetent und wichtig“, sagt Eva Habermann. Wichtig ist der Tag auch für die Herren von der Reha-Klinik Glotterbad. Gleich zu dritt sind sie gekommen und verteilen Info-Broschüren.

Von ihrer Klinik werden wieder Außenaufnahmen gemacht. Schon jetzt kommen täglich 300 bis 400 Besucher mehr und wollen die Brinkmanns sehen. Der Ärztliche Direktor darf bei der Pressekonferenz sogar nach vorne. „Sind ’Se Professor oder Doktor, oder was?“, holt Rademann ihn jovial aufs Podium.

Während Rademann redet und redet („Die Natur sieht ja hier aus wie Bombe, von Waldsterben keene Spur, wa“), werden die Schauspieler immer schläfriger.

Zwei Stunden lang haben sie schon in der Hitze ausgehalten. „Klaus, sach doch mal wat! Biste nu stolz auf Deinen Sohn?“, lockt Rademann. Wussow senior antwortet mit trägem Reptilienblick: „Doch, ich bin sehr stolz.“ Er sei doch schon von Zuschauern gefragt worden, ob er sie operieren würde, sagt Rademann und knufft Wussow in die Seite. „Doch, mich haben Zuschauer schon gefragt, ob ich sie operiere“, sagt der frühere Schauspieler am Burgtheater in Wien.

Der Funke springt nicht recht über, deshalb redet Rademann lieber wieder selbst. Er erzählt Anekdötchen von früher und wie er sich unglaublich freut, mit seiner Crew wieder in den Schwarzwald, „quasi heim ins Reich“ gekommen zu sein. Lustige Runde, die Herren von der ZDF-Unterhaltung. Am Ende stellt er dann noch die Fußballreporter-Frage: „Alexander, sach doch mal, wie deine Gefühle waren, als du die Rolle gekriegt hast.“ Draußen ist es inzwischen noch heißer geworden.

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