Medien : Amerikaner ziehen bei Springer ein

US-Investmentfirma Hellman&Friedman erwirbt Aktienpaket – Deutsche Bank kassiert 350 Millionen Euro

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Berlin (usi/mot). Die Axel Springer AG hat einen neuen Großaktionär. Die Deutsche Bank verkauft für 350 Millionen Euro 19,4 Prozent der von ihr gehaltenen Verlagsaktien an den amerikanischen Finanzinvestor Hellman & Friedman. Springer kündigte am Donnerstag außerdem an, bis zu zehn Prozent eigene Aktien erwerben zu wollen. Die Anteile könnten ebenfalls von der Deutschen Bank stammen, die das Aktienpaket des ehemaligen SpringerAktionärs Leo Kirch vollständig verkaufen will. Nach dem Einstieg der Amerikaner will Springer sein Verlagsgeschäft noch stärker internationalisieren.

Die Deutsche Bank hatte im Oktober 2002 für 667 Millionen Euro 40,3 Prozent an der Axel Springer AG ersteigert. Dieses Paket hatte der insolvente Medienunternehmer Kirch als Sicherheit für einen Kredit in Höhe von rund 720 Millionen Euro an die Bank verpfändet. Die Deutsche Bank, die schon damals ankündigte, die Springer-Beteiligung nicht dauerhaft halten zu wollen, verkaufte wenige Tage darauf 10,4 Prozent an die Großaktionärin Friede Springer weiter. Der Rest blieben bei dem Geldinstitut geparkt.

Nachdem eine Fusion Springers mit dem Schweizer Ringier-Verlag geplatzt und eine feindliche Übernahme durch die Essener WAZ-Gruppe verhindert worden war, gibt es mit Hellman & Friedman nun einen Käufer für einen Teil des Aktienpakets. Die bei der Deutschen Bank verbleibenden Springer-Aktien (10,3 Prozent) könnten ebenfalls bald ihren Besitzer wechseln. „Die Deutsche Bank hat die Absicht, ihre verbleibende Beteiligung im Rahmen des von Springer veröffentlichten Rückkaufangebots der Axel Springer AG anzudienen“, teilte die Bank mit (siehe Lexikon, Seite 20). Springers Offerte von 54 Euro je Aktie richtet sich an alle Aktionäre und endet am 14. November. Analysten gehen davon aus, dass die Deutsche Bank bei der Vermarktung des Kirch-Pakets nur einen minimalen Gewinn macht.

Hellman & Friedman stehen auch als Mitfinanziers hinter der Übernahme von ProSieben Sat 1 durch den Amerikaner Haim Saban. Die Beteiligung an Europas größtem Zeitungshaus Springer (Umsatz 2002: 2,77 Milliarden Euro) versteht der US-Investor nicht als strategisches, sondern als reines Finanzengagement. Zudem seien die Investments bei der Senderfamilie und bei Springer voneinander unabhängig, sagte Verlagssprecherin Edda Fels. Springer ist mit 11,5 Prozent auch an Pro Sieben Sat 1 beteiligt. Beobachter sehen das anders: „Eine engere Verzahnung von ProSiebenSat1 und Springer macht operativ sehr viel Sinn und hätte großen Charme“, sagte ein Medienanalyst. Sabans TV-Vermarkter Seven One Media und Springer kooperieren schon im Werbegeschäft. „Springer hat sich gegen eine engere Zusammenarbeit bisher gesträubt“, so der Analyst. Dies könne sich nach dem Einstieg von Hellman&Friedman ändern.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner begrüßte die neue Aktionärsstruktur: „Hellman & Friedman ist uns als neuer Aktionär willkommen.“ Gemeinsam werde man im Interesse der Axel Springer AG und aller Aktionäre den eingeschlagenen „Kurs der Kreativität und Profitabilität fortsetzen“. Es sei vereinbart worden, dass Hellman & Friedman nach fünf bis sieben Jahren die Aktien an der Börse platziert. In einem internen Brief an die Mitarbeiter schreibt Döpfner, mit dem Einstieg der Kalifornier seien „die Weichen für eine breite Platzierung an der Börse gestellt“. Die Zeit bis zur Börsenplatzierung wolle der Verlag nutzen, um „in Ruhe den Kurs fortzusetzen“ und sich „kapitalmarktfähig“ zu machen.

Brian Powers, Chief Executive Officer von Hellman & Friedman, soll in den Springer-Aufsichtsrat aufrücken und die Internationalisierung unterstützen. Ziel ist ein Umsatzanteil im Ausland von 30 Prozent (heute: 17 Prozent). Springer schrieb 2002 schwarze Zahlen (61 Millionen Euro), nachdem der Verlag im Jahr zuvor erstmals in seiner Geschichte Verluste ausweisen musste. 2003 will der Verlag mit Gewinn abschließen.

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