Medien : Ampelmännchens Auferstehung

Die DDR-Retro-Welle schwappt ins Fernsehen: RTL plant eine Ost-Show mit Kati Witt

Simone Schellhammer

RTL macht sich erneut an das Thema Vergangenheitsbewältigung und nennt es „Die DDR-Show – Von Ampelmännchen bis Zentralkomitee“. Bei Rotkäppchensekt, Leberwurststullen und Gurkensalat stellte der Kölner Sender seine neueste Idee im Hamburger Prinzenkeller vor. Die Bar war dazu unter anderem mit einer Fahne geschmückt, auf der in großen Buchstaben „Mein Arbeitsplatz – Kampfplatz für den Frieden“ prangte.

Pioniere erzählen

Hamburg, nicht Ostberlin musste es sein, da hier die Dichte der Fernsehzeitschriften höher ist. Also plauderte Moderator Oliver Geißen an der Reeperbahn über den Retro-Boom und die so genannte DDR-Expertin Kati Witt, die in den vier Sendungen Dauergast sein wird, über die DDR, „in der natürlich nicht alles toll war.“

Noch ist die Sendung nicht viel mehr als ein Konzept, was alle Beteiligten allerdings mit „Will ich noch nicht verraten“ oder „Lassen Sie sich überraschen“ umschrieben. Selbst das zwölfköpfige Team von Günther Jauchs „Information & Unterhaltung TV“, das die Show produziert, ist noch nicht komplett, das Sendedatum noch unklar. Doch eins scheint trotz aller Geheimniskrämerei sicher zu sein: Die Puhdys, die Prinzen und Udo Lindenberg werden singen, die ehemalige Eiskunstläuferin Kati Witt ihr Fotoalbum öffnen und von den Jung-Pionier-Appellen erzählen, das Sandmännchen und der Trabbi werden auftreten und dazu gibt’s Vitacola oder eine schöne Tasse Rondo Melange.

Gegen Oliver Geißen, der bereits in der „80er Jahre Show“ ein Millionen-Publikum mit „Weißt-du- noch“-Geschichten tyrannisierte, hatte der gebürtige Ossi und Sat 1-Mann Kai Pflaume als Moderator wohl keine Chance. Nun wird er zumindest als Gast von seinem damals schwunghaften Handel mit nachgemachten Panini-Fußballbildern berichten. Eingerahmt wird das Ganze von alten Fernsehausschnitten und den Berichten ehemaliger DDR-Bürger. Produzent Axel Pfeiffer wünscht sich, dass die Ostdeutschen sagen: „Ach, schön, das mal wieder zu sehen“ und die Westdeutschen: „Ach, so war das da drüben“. Information und Unterhaltung eben.

Ganz im Stil der „70er Jahre Show“ oder des „RTL Jahresrückblicks“, die auch von „I & U“ produziert werden. „Bestimmten Themen kann man sich erst nach einer bestimmten Zeit widmen“, findet RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger. „Wenn sie politisch weniger stigmatisiert sind und man für eine breite Zielgruppe einen emotionalen Zugang findet.“ Oliver Geißen sieht sich dabei als Außenstehender, „der sich viel erfragen muss“ und dabei amüsante Details entdeckt, etwa, dass man damals für eine Trompete eine Art Führerschein brauchte.

Genscher und Pittiplatsch

Kati Witt, die nach eigenen Aussage in DDR-Zeiten fast immer nur an ihren Sport gedacht und sich „groß keinen Kopp gemacht“ hat, beschreibt ihre Rolle in der Show als „Spaßfaktor“ und lacht ein bisschen zu laut, als eine Journalistin darauf besteht, dass es die kleinen Einkaufsnetze früher auch in Westdeutschland gegeben habe.

Damit der liebevolle „Good Bye, Lenin!“-Blick auf eine gemütliche DDR aber nicht überhand nimmt, werden auch Leute wie der frühere bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann zu Wort kommen, um zu erzählen, dass es neben Pittiplatsch, Schnatterinchen und der Schlagersüßtafel auch noch diese Grenze gab, an der geschossen wurde. Nein, einen Mauerschützen wolle man aber nicht einladen, so Oliver Geißen.

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