Medien : An Michael Terhaag Anwalt für Online-Recht

Keine Experimente mit MP3-Songs

An Michael Terhaag

Ich habe des Öfteren gelesen, wie ich von gekauften MP3-Songs die digitalen Rechte entfernen kann, um sie unkomplizierter auf meinen Geräten nutzen zu können. Ist das legal, wenn ich die Songs dabei tatsächlich nur selbst höre und sie nicht mit anderen tauschen will?

Klare Antwort: Nein, das ist unzulässig! Zwar kann man grundsätzlich weiterhin Vervielfältigungen für sich und sein unmittelbares Umfeld in begrenztem Umfang vornehmen. Dieses sogenannte Privileg der Privatkopie gilt aber immer nur dann, wenn ich hierbei keinerlei wirksame Kopierschutzmechanismen umgehe. Wenn ich aber im sogenannten DRM (Digital-Right-Management) der Musikstücke herumbastele und die von dem Rechteinhaber vorgenommenen Beschränkungen entferne, ist bereits diese Umgehung, aber auch jede anschließend erstellte Kopie unzulässig. Dies gilt selbst dann, wenn ich die Kopie nur für eigene Geräte verwende und keinem Dritten zur Verfügung stelle.

Dem Rechteinhaber stehen durch ein solches Verhalten grundsätzlich Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche zu. Zusätzlich sind solche Maßnahmen zur Umgehung grundsätzlich wirksamer Schutzmaßnahmen ebenso wie anschließende Kopien strafbar. Auf die Diskussion, was ein technisch wirksamer Schutz ist und was nicht, würde ich mich nicht einlassen. Auch wenn die Umgehung technisch womöglich kein großes Hindernis ist, dürfte der Kopierschutz für die Allgemeinheit dennoch wirksam im Sinne des Verbots sein.

Aber auch das ist eine Frage des Einzelfalls. In jedem Fall gilt: „Nicht alles, was geht, ist auch erlaubt“. Die Rechtslage ist aber hier zumindest vor den Gerichten noch keineswegs gefestigt. Darum lohnt es sich zumeist, sich zu verteidigen. Dies gilt sowohl für straf- als auch zivilrechtliche Vorwürfe. Foto: Promo

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