Analog im Aus : Die Fernsehzukunft ist digital

Im April 2012 endet das analoge Satelliten-TV in Deutschland. Millionen Haushalte müssen jetzt umrüsten.

von und Dirk Averesch
Nur pink genügt nicht. Satellitenschüsseln müssen von April 2012 an digitale Signale empfangen können. Foto: dpa
Nur pink genügt nicht. Satellitenschüsseln müssen von April 2012 an digitale Signale empfangen können. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

„Jetzt kommt ja eh’ nichts mehr, also abschalten“, mahnte TV-Kunstfigur Peter Lustig jahrelang aus dem Off, wenn am Ende der Kinderserie „Löwenzahn“ nur noch eine schwarze Mattscheibe zu sehen war. Am 30. April 2012 könnte es vielen der rund 16,6 Millionen Haushalte mit Satelliten-TV unfreiwillig ähnlich gehen. Dann wird um 3.00 Uhr die analoge Ausstrahlung von Sat-TV über Astra eingestellt. Wer seine Satellitenanlage nicht rechtzeitig auf DVB-S umrüstet, kann kein Sat-TV mehr schauen. Laut einer Astra-Umfrage sind 2,9 Millionen Haushalte, die die Signale nach wie vor analog empfangen, noch immer nicht für den Stichtag gewappnet. Nach den aktuellen Zahlen der GfK sind gar fünf Millionen Haushalte betroffen, das wären 14 Prozent aller deutschen TV-Haushalte. Die Fernsehsender starten am Samstag eine Aktionswoche in ihren Programmen mit Spots und Servicebeiträgen.

Ein Sofortumstieg von analog zu digital bringt keine Nachteile: Digital-TV wird schon seit Jahren parallel zum analogen Sat-TV ausgestrahlt. Neben mehr und auch fremdsprachigen Programmen bietet es bessere Bild- und Tonqualität sowie einen elektronischen Programmführer (EPG). Und: Noch gibt es keinen Run auf Endgeräte, der zu Engpässen führen könnte. „Heute haben Sie das ganze Spektrum von ganz billig bis ganz teuer“, sagt Veit Olischläger von Klardigital, einer Initiative der Landesmedienanstalten und Sender. „Warten Sie nicht bis zum letzten Moment.“ Das gelte insbesondere für Betreiber großer und komplizierter Mehrteilnehmer-Anlagen mit speziellen Bauteilen, die nicht massenhaft produziert werden.

Doch wie funktioniert der Umstieg? Wer Fernsehen zu Hause über Satellit empfängt, sollte prüfen, ob er nicht längst digital fernsieht. Das lässt sich unter Umständen schon am Programmangebot ablesen: Bei Astra stehen knapp 35 analogen gut 350 digitale Sender gegenüber. Einen Schnelltest bietet die Videotext-Tafel 198 bei ARD, ZDF, ProSieben, RTL oder Sat 1. Die Tafel zeigt an, ob noch analog oder schon digital empfangen wird. Auskunft können im Zweifel auch Vermieter, Hausverwaltung oder Hausmeister geben.

Doch auch, wer noch analog schaut, ist vielleicht besser gerüstet, als er denkt. Denn das Herzstück der Sat-Schüssel könnte schon startklar sein. Um alle digitalen Astra-Programme empfangen zu können, muss der sogenannte LNB (Low Noise Block Converter) Frequenzen bis 12,75 Gigahertz (GHz) verarbeiten können. Er wird dann auch Universal-LNB genannt. „Wenn Sie Glück haben, steht der Frequenzbereich drauf, das ist aber selten der Fall“, sagt Peter Pfeifer, Sprecher des Bereichs Informationstechnik im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke.

„Wenn nur ein Bereich von 10,7 bis 11,7 GHz draufsteht, ist es ein alter LNB.“ Als Faustregel gilt: „Der LNB muss getauscht werden, wenn er älter ist als zehn Jahre“, erklärt Olischläger. „Der Großteil der Haushalte muss aber nur den Receiver tauschen.“ Die Umrüstung ist leicht: Die neue digitale Empfangsbox wird einfach anstelle der alten analogen angeschlossen, dann der Sendersuchlauf aktiviert.

Einfache Digitalreceiver sind schon für 30 Euro zu haben. Wer auch hochauflösendes Fernsehen (HDTV) will, muss ein Gerät suchen, dass DVB-S2 unterstützt und mindestens 120 Euro anlegen. 150 Euro und mehr werden fällig, wenn über die Box auch Internetinhalte abgerufen werden sollen (HbbTV) oder ein Festplattenrekorder integriert ist. Für den Empfang verschlüsselter (Pay TV-)Sender ist ein sogenannter CI-Schacht (Common Interface) erforderlich. Jedes TV-Gerät braucht einen eigenen Receiver, in den neuesten Modellen ist dieser bereits integriert.

Je nach Zustand der Sat-Anlage müssen unter Umständen auch ein verrottetes oder ein für den Digitalbetrieb ungenügend abgeschirmtes Anschlusskabel (mindestens 95 dB), eine verrostete LNB-Halterung oder eine Schüssel mit abgeblätterter Lackierung ersetzt werden. „Wenn das Metall der Schüssel blank ist, reflektiert es die Sonnenstrahlen, und der LNB kann verschmoren“, erklärt Pfeifer.

War zuletzt beim Analogempfang das Bild verrauscht, sollte auch eine neue Schüssel installiert werden – vor allem eine mit größerem Durchmesser als bisher, rät Experte Pfeifer. „60 bis 65 Zentimeter sollte man bei einem normalen oder einem Twin-LNB schon haben.“ Sonst könne es beim digitalen Empfang zu ganzen Bildaussetzern kommen.

Meist ist an den Schüsseln ein Single-LNB zum Anschluss eines einzigen Receivers installiert. An einem Twin-LNB können zwei Receiver betrieben werden, an einem Quad-LNB bis zu vier und an einem Octo-LNB bis zu acht.

Für die Zuschauer mit Kabelanschluss soll sich mit dem 30. April 2012 nichts ändern. Der Verband deutscher Kabelnetzbetreiber Anga teilte am Dienstag mit, „die Kabelnetzbetreiber planen keine Abschaltung der analogen Fernsehprogramme“. Zuschauer mit einem Kabelanschluss behielten somit auch in Zukunft die Wahlfreiheit zwischen dem analogen und dem digitalen Fernsehempfang. Dirk Averesch (dpa)/Joachim Huber

www.klardigital.de, www.anga.de

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