Medien : Anarchisten am Morgen: „Rick und Olli“ sind dick und doof in der ARD

Alice Bota

Kinder sind geborene Anarchisten. Sie halten sich beim Verstecken spielen ihre Hände vors Gesicht, weil sie glauben, dann unsichtbar zu sein. Sie betrachten die betrübten Gesichter der Eltern beim Öffnen offizieller Briefe und lassen dann Rechnungen verschwinden. Keine Rechnung – keine Schulden. Die üblichen Zusammenhänge zählen nicht. Noch nicht.

Rick und Olli sind keine Kinder mehr, sie sind nicht mehr ganz junge Männer. Sie müssen in einer Erwachsenenwelt klar kommen, die nach einfachen Gesetzen funktioniert: Wer Essen kaufen will, braucht Geld. Wer Geld verdienen will, braucht Arbeit. Das ist aber auch die einzige Kausalität, die für Rick und Olli gilt. Beide sind chronisch pleite und deshalb auf Jobsuche. Keine Arbeit halten sie länger als einen Tag durch, denn die Funktionsweise jener Erwachsenenwelt ist ihnen allenfalls theoretisch bewusst. Die Arbeitsteilung hat Regisseur Stefan Lukschy, der auch das Drehbuch der sechsteiligen Serie mitschrieb, klar festgelegt: Rick alias Jürgen Tarrach ist der dicke, altkluge Besserwisser, der Urheber grandios-dämlicher Ideen. Olli dagegen, der von Ingo Naujoks gespielt wird, behauptet sich als ein gutmütiger Trottel, der eigentlich nur helfen will. Was die beiden anpacken – es geht schief. Sie meinen es gut, kriegen es aber nie gut hin. Als Haussitter helfen sie einem Einbrecher, die Wohnung ihres reichen Arbeitgebers auszuräumen. Als Detektive suchen sie einen schwarzen Mops und lösen den Auftrag, indem sie einen braunen Hund mit Kohlestaub schwärzen. Das muss auffliegen.

Ingo Naujoks sagt, dass vor allem „die Nähe zu den Slapstick-Helden der Kindheit wie Dick und Doof oder Pat und Patachon“ ihn gereizt habe, Olli zu spielen. Genauso wie Doof immer Dick gehorcht, stolpert Olli als Ricks Ausführungsgehilfe durchs Leben.Wenn Ricks Pläne scheitern, ist Olli natürlich schuld.

Trotzdem gehen Rick und Olli nie als Verlierer aus; irgendein Zufall bringt ihnen am Ende doch noch Geld. Die üblichen Zusammenhänge zählen halt nicht. Nicht für Anarchisten.

„Rick und Olli“, ARD, 9 Uhr 30

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