Medien : Andersrum

Arte-Doku über Linkshänder

Thomas Gehringer

Rechts dominiert. Aber nicht überall: Bei einem Volk im Herzen Afrikas, den Mofus in Kamerun, ist die Linke groß herausgekommen. Die linke Hand, genauer gesagt. Dort gelten Rechtshänder als linkisch, ist die linke Hand die starke, männliche Seite, mit der die Speere ins Ziel gesteuert werden. Überall sonst haben offenbar die Rechtshänder das Sagen, und noch in den 70er Jahren war es gang und gäbe, den Menschen alles Linkslastige von Kindheitsbeinen an auszutreiben. „Umschulung“ nannte sich der ErziehungsGewaltakt, mit dem Menschen mit Linkshänder-Erbgut auf rechts gedreht wurden.

An manchen Sprachbildern lässt sich noch erkennen, dass links offenbar bis heute als die schlechtere Seite gilt. „Das mache ich doch mit links", bedeutet nur, dass die betreffende Arbeit sogar mit der schwachen Seite leicht zu schaffen ist.

Christoph Felder ist für Arte in die Welt der „Linkshänder“, so der Titel seiner Dokumentation, eingetaucht. Ein interessanter Streifzug durch die Kulturgeschichte mit ungewöhnlichen Seiten-Blicken auf einen etwas anderen Alltag, wenn auch recht konventionell gefilmt. Mit einer Foto-Serie gleich zu Beginn stellt Felder klar, dass es genügend geniale Linkshänder gegeben hat, die trotz aller Hindernisse Ruhm erlangt haben: Goethe, Mozart, Napoleon, auch Marilyn Monroe und Jimi Hendrix, der ja nicht gerade ein linkischer Gitarrist war. Kein Grund also, den Mut sinken zu lassen, zumal die Umschulung aus der Mode gekommen ist. Aber ein Klavier für Linkshänder ist immer noch ein Unikat, und mit welchen Schwierigkeiten Chirurgen am OP-Tisch zu kämpfen haben, schildert der Pariser Orthopäde Alain Iserin. „Man hat immer noch den Linkshänder-Stempel", sagt er.

Unklar ist, wie viele Menschen wirklich Linkshänder sind. Irgendwo zwischen zehn und 40 Prozent dürfte der Anteil in Deutschland liegen, teilt Autor Felder mit. Dass die gewaltsame Unterdrückung in Schule und Elternhaus nachgelassen hat, lässt sich an den Zahlen ablesen: Im Lexikon von 1990 ist noch von einem zwei- bis fünfprozentigen Anteil die Rede. Den beiden Gehirnhälften werde bei einer Umschulung eine zusätzliche und überflüssige Koordinationsleistung abverlangt, erläutert ein Neurologe.

Sprachstörungen wie Stottern sei das häufig beobachtete Ergebnis, „ein Patient verfiel sogar ins Bellen". Mittlerweile gibt es spezielle Angebote für Linkshänder, Beratungsstellen, auch eigene Verkaufsläden und außerdem die Erkenntnis, dass etwa in manchen Sportarten wie Fechten und Tennis Linkshänder zuweilen im Vorteil sind. „Linkshänder haben keine Macke“, sagt Frankreichs ehemaliger Tennis-Star Henri Leconte selbstbewusst. „Es ist fantastisch.“ Kein Wunder: Alle seine Siege gelangen ihm mit links, seiner starken Seite.

„Linkshänder“: Arte, 19 Uhr

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