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Angriff mit Schlagstock : Syrischer MDR-Journalist in Erfurt attackiert

Bei Dreharbeiten für das Magazin „Fakt“ ist ein MDR-Team in Erfurt angegriffen worden. Ein syrischer MDR-Journalist wurde dabei rassistisch beleidigt, attackiert und durch eine Plattenbausiedlung gejagt.

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Blaulichter von Polizeifahrzeugen.
Blaulichter von Polizeifahrzeugen.Foto: picture alliance / dpa

In Erfurt ist es am Montagabend zu einem neuerlichen Angriff auf Journalisten gekommen. Ein syrisches Mitglied eines MDR-Drehteams wurde in der thüringischen Landeshauptstadt als „Scheiß-Ausländer“ rassistisch beleidigt, angegriffen und durch eine Plattenbausiedlung gejagt.

Das Team hat im Norden von Erfurt einen Beitrag zum Thema „Angriffe auf Flüchtlingskinder“ gedreht. „Im vergangenen Sommer sind hier zwei jugendliche Flüchtlinge attackiert worden und wurden durch Passanten vor den Angreifern geschützt“, berichtet MDR-Chefredakteur Stefan Raue. Als das Drehteam die Situation mit den beiden Jugendlichen für einen Beitrag in „Fakt“ dokumentieren wollte, kam es zu dem Angriff durch eine Gruppe betrunkener Männer.

Zunächst richtete sich die Aggression gegen den Kameramann, dem die Gruppe sein Gerät entreißen wollte, sowie eine Reporterin, die mit einem Teleskop-Schlagstock bedroht wurde. Als die Männer das syrische Teammitglied entdeckten, geriet dieser in den Fokus der Betrunkenen. Ein Mann jagte den 32-Jährigen aus Syrien dann bis in einen nahegelegenen Supermarkt. „Die Verkäuferinnen haben sofort reagiert und ebenso wie die Reporterin die Polizei angerufen. In wenigen Minuten waren drei Einsatzwagen mit zehn Polizisten vor Ort“, berichtet Raue weiter. Die Polizei nahm die Personalien der Angreifer auf, vernahm die beiden Haupttäter im Alter von 35 und 41 Jahren und setzte sie danach wieder auf freien Fuß.

Vor gut einem Jahr hatte es im Einzugsgebiet der Dreiländeranstalt MDR eine Häufung von Angriffen gegen Journalisten gegeben. Vor allem am Rande von Demonstrationen von Pegida und Legida waren Medienvertreter mit Reizgas und Faustschlägen attackiert worden. In Leipzig finden inzwischen keine Demonstrationen von Islam-Gegnern mehr statt, in Dresden ist die Zahl der Demonstranten deutlich zurückgegangen.

Häufig niederschwellige Gewalt

Dies gilt auch für die Angriffe auf Medienvertreter in den neuen Bundesländern. „Ereignisse wie das in Erfurt zeigen aber, welche Gewalt insbesondere in politischen Auseinandersetzungen niederschwellig häufig dabei ist“, sagt Chefredakteur Raue. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu abgebrüht werden. Auch Faustschläge und Angriffe mit Stahlruten sind Skandale, gegen die wir uns genauso wehren müssen wie gegen den Terror.“

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat den Übergriff scharf verurteilt. "Wir verurteilen diese ekelhafte rassistische Attacke auf den syrischen Kollegen aufs Schärfste", erklärte der DJV am Mittwoch via Twitter. Der Rechtsstaat müsse die Pressefreiheit schützen.

Nach den Angriffen von Anfang 2016 hatte der MDR Drehteams bei Demonstrationen durch Sicherheitskräfte schützen lassen. Bei Dreharbeiten wie denen in Erfurt wird darauf allerdings verzichtet, weil dadurch die Situation stark verändert wird. Durch Schulungen werden die Mitarbeiter in deeskalierendem Verhalten unterwiesen. Mitunter lautet die Empfehlung jedoch schlicht, sich nicht zwischen die Fronten zu begeben – wenn beispielsweise rechtsextreme Legida-Anhänger auf linke Gegendemonstranten treffen. „Wir können nicht erwarten, dass die Polizei uns da rauszieht. Die Polizisten sind nicht unser Wachschutz“, sagt MDR-Chefredakteur Raue. Kurt Sagatz

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