''Anne Will'' : Rot-rote Schulden

Am Sonntag wird es in der ARD noch einmal um den Schuldenstand Berlins gehen. Anne Will stellt falsche Zahlen richtig, Friedbert Pflüger akzeptiert die Entschuldigung.

Anne Will wird ihre ARD-Talkshow am morgigen Sonntag um 21 Uhr 45 mit einer Richtigstellung beginnen. Diese wird die Sendung vom vergangenen Sonntag mit dem Thema „Alles auf Rot – warum nicht mit den Linken?“ betreffen, insbesondere den „Einspieler“, in dem es um den Schuldenstand Berlins am Ende der Großen Koalition ging. Im „Einspieler“ war der Schuldenstand mit 60 Milliarden Euro angegeben worden, den die rot-rote Regierung unter Klaus Wowereit (SPD) 2001 übernommen hatte. Tatsächlich, und das soll Anne Will in ihrer Klarstellung bekanntgeben, sind die Schulden der Hauptstadt erst unter der rot-roten Koalition von rund 38,5 Milliarden auf circa 60 Milliarden Euro angestiegen.

Nach der Sendung vom vergangenen Sonntag hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger die falschen Zahlen scharf kritisiert und eine Absetzung von „Anne Will“ gefordert. Beim für die ARD-Talkshow verantwortlichen NDR wollte Pflüger Gegendarstellung und Unterlassung erwirken. Darauf besteht Pflüger als Folge der vom Sender angekündigten Richtigstellung nicht länger. „Ich wollte eine Entschuldigung erreichen“, sagte der Politiker dem Tagesspiegel am Freitag. „Mir geht es nicht um politische Meinungen, sondern um einen Fehler. Die Zahlen, die genannt wurden, sind nachweislich falsch. Wenn Frau Will diesen Fehler am Sonntag eingesteht und ihr Bedauern darüber zum Ausdruck bringt, dann ist auch meine Forderung nach Absetzung der Sendung vom Tisch“, sagte der CDU-Fraktionschef.

Der NDR hat „missverständliche“ Formulierungen in der kritisierten Sendung zugestanden. Forderungen nach einer Absetzung der Talkshow wies NDR-Fernsehdirektor Volker Herres in einer Erklärung vom Freitag aber entschieden zurück. Herres sagte, der Chefredakteur habe „mit der Redaktion intensiv über die Sache gesprochen“. Alle stimmen selbstverständlich überein, dass eine gründliche Recherche und präzise Umsetzung Grundpfeiler der Glaubwürdigkeit der Gesprächssendung seien. Daher würden Zahlen, Fakten und Formulierungen auch in Zukunft mit großer Sorgfalt geprüft.

„Pannen sind immer ärgerlich, aber wo Menschen arbeiten und unter den Bedingungen einer Live-Sendung kann auch mal etwas schiefgehen“, erklärte Volker Herres.

„Anne Will“ sei die erfolgreichste politische Gesprächssendung im deutschen Fernsehen. Eine Sendung, die es Woche für Woche schaffe, mehr als vier Millionen Menschen für Politik zu interessieren, gehöre nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil gestärkt. „Daran ändert auch ein solcher Patzer nichts“, sagte der NDR-Fernsehdirektor. jbh

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