Augstein hätte sich gerne mit Cooper getroffen.

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Antisemitismus-Liste : Rabbi Cooper fordert Augsteins Entschuldigung
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Jakob Augstein hätte sich gerne mit Rabbi Cooper getroffen. Anfang des Jahres versuchte der „Spiegel“ ein Gespräch zwischen den beiden Männern zu vermitteln. Cooper wollte sich darauf nur einlassen, wenn sich Augstein entschuldigt – doch das sieht der gar nicht ein. „Da ich kein Angeklagter bin und Rabbi Cooper kein Richter und da er Vorwürfe gegen mich erhoben hat und nicht ich gegen ihn (oder überhaupt gegen Juden) musste ich das ablehnen“, schreibt Augstein am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite.

Zuvor hatte er am Telefon erklärt: „Ich schreibe als Journalist Kommentare, die leben von der Zuspitzung. Natürlich geht da auch mal ein Wort daneben, wie das Wort Lager, das ich für Gaza benutzt habe. Das war nicht richtig, weil es an Konzentrationslager erinnert.“ Ansonsten aber müsse „man schon sehr böswillig sein, um aus meinen Texten Antisemitismus rauszulesen“. Es sei „absurd“ und „grotesk“, dass er mit seinen Zitaten in der Liste aufgeführt werde. „Ein Antisemit ist sicherlich, wer rassistische Vorurteile gegen Juden hegt oder den Staat Israel von der Landkarte löschen will. Damit falle ich aus.“

Augstein ist in den vergangenen Wochen heftig für seine Äußerungen kritisiert worden, auch von Dieter Graumann, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, in einem gemeinsamen Gespräch im „Spiegel“. Er finde Augsteins Kolumnen „abscheulich“ und „abstoßend“, „aber auf eine Liste der zehn schlimmsten Antisemiten“ gehöre er nicht.

Cooper wundert sich am Donnerstag. Nicht über Graumann, sondern über die deutsche Presse. Anstatt Augsteins Aussagen zu analysieren, leiste sie ihm Schützenhilfe. So verteidigt „Spiegel“-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron: „Das Simon-Wiesenthal-Zentrum kommt zu Schlüssen, die wir nicht teilen“, sagt er. „Jakob Augstein schreibt streitbare Texte, er übt scharfe Kritik an der israelischen Politik, aber er gehört nicht auf diese Liste der schlimmsten Feinde Israels.“ Er sei auch weiterhin frei, sich in seinen Kolumnen mit dem Nahostkonflikt zu befassen.

Wird Augstein auch 2013 wieder auf der Liste landen? Cooper zuckt mit den Schultern. Darüber werde am Ende des Jahres entschieden. Jakob Augstein blendet solche Überlegen aus. „Das kann für mich kein Kriterium sein. Ich muss versuchen, das zu machen, was ich für meine Arbeit halte. Ich wäre selbst enttäuscht von mir, wenn ich an mir beobachten würde, dass ich durch die Debatte mundtot gemacht worden bin.“

Bereits am Donnerstag kontert er auf Facebook gegen Cooper. Dessen „Vorstellung von Pressefreiheit und offener Debatte“ seien „vollkommen andere, als wir es hier gewohnt sind. Man macht solche Erfahrungen sonst eigentlich nur mit fundamentalistischen oder totalitären Institutionen“. Rabbi Abraham Cooper ist nach der Pressekonferenz zufrieden. Er gibt noch ein paar Interviews, dann macht er sich auf die Reise. Er wird wiederkommen.

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