Antonia Rados : "Betteln musste ich nicht"

Die Auslandsreporterin Antonia Rados kehrt vom ZDF zu RTL zurück. Es sei keine Trennung im Streit gewesen, so Rados.

Antonia Rados
Antonia Rados Deutschlands bekannteste Krisenreporterin, verlässt nach nur einem halben Jahr das ZDF und kehrt wieder zur RTL...Foto: dpa

Frau Rados, warum kehren Sie nach wenigen Monaten Arbeit für das ZDF wieder zu RTL zurück?

Ich möchte in keiner Weise über das ZDF schlecht reden, ich gehe nicht im Streit. Ich habe dort meine Reportagen gemacht, so gut ich konnte. Ich habe mich aber entschlossen, zu RTL zurückzugehen.

Haben Sie bei RTL angeklopft? Mussten Sie um die Wiederaufnahme betteln?

Nein, betteln musste ich nicht. Ich habe meinerseits bei RTL angeklopft. Die RTL-Führung, vor allem die Chefredaktion, war mir gegenüber sehr korrekt und hat meine „Bittstellung“ positiv beantwortet. Wir sind uns schnell einig geworden. Ich gehe ja in ein Haus zurück, wo mich die Leute kennen und ich die Leute.

Trotzdem standen Sie ja vor der Wahl – ZDF oder RTL. Warum ist es bei RTL in Köln schöner als im „Zentrum der Freude“ auf dem Mainzer Lerchenberg?

Ich war ja vorher 14 Jahre lang bei RTL gewesen, es lag also auf der Hand, dorthin zurückzukehren und sich nicht andere Optionen zu überlegen. Wir brauchen nicht herumzureden: Ich bin eine Reporterin, es ist nicht meine Art, mich aufzuspielen und zu sagen, der eine Sender ist so und der andere ist so. Die Entscheidung ist gefallen, leicht gefallen ist sie mir nicht.

Der Entschluss zum Wechsel ist allein in der Reporterin Rados begründet?

Mir geht es darum, dass ich eine Reporterin bin und auch beim ZDF Reportagen gemacht habe nach gutem Wissen und Gewissen. Das war und das ist mein einziges Ziel. Ich wollte nie jemandem einen Job wegnehmen, ich wollte nichts als Reporterin sein.

RTL tituliert Sie als „Chefreporterin Ausland“. Klingt toll.

Um Titel geht es überhaupt nicht, auch nicht um sonstige Ehren. Wenn man Reporter ist, möchte man hinausgehen, in Ruhe seine Sachen machen und hoffen, dass die Arbeitgeber zufrieden sind.

Projekte der nächsten und der übernächsten Zeit?

Bis Ende Dezember arbeite ich ja noch für das ZDF. Wir haben uns in aller Ruhe gesagt, dass ich weiter im Einsatz bin und aktuelle Reportagen mache, wenn Bedarf ist. Für RTL habe ich schon zwei, drei Sachen, die mich interessieren. Auf jeden Fall möchte ich über den Status Quo in Afghanistan berichten, das Land von oben nach unten durchfahren, schauen, was ist da eigentlich los – dem Zuschauer einen Überblick verschaffen. Auch eine Reportage vergleichbar zu „Feuertod“ über afghanische Frauen, die sich selbst verbrennen, sollte wieder dabei sein.

Sind Sie von sich selber überrascht, dass Sie wieder für den Privatsender RTL arbeiten wollen?

Ich bin ein Krisen geprüfter Mensch …

… Sie waren in einer Krise …

Nein, ich war in keiner Krise. Ich habe auch nicht spontan entschieden, ich habe mir den Schritt reiflich überlegt. Es war ein längerer Prozess. Ich will aber auch aus einer Mücke keinen Elefanten machen.

Welche Erfahrungen, positiv wie negativ, nehmen Sie denn mit aus Ihrer Zeit als öffentlich-rechtliche Mitarbeiterin?

Gute. Es gibt sehr viele Kollegen in Mainz, die sehr professionell sind, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe. Ich will aber nicht verschweigen, dass es auch andere gab.

Welchen Stand hat die Auslandsreportage im deutschen Fernsehen?

Ulrich Tilgner, der das ZDF im Streit verlassen hat, hat sich darüber kritisch geäußert. Das überlasse ich ihm, das soll er machen. Ich habe nicht den Überblick, ich lebe in Frankreich und kann das deutsche Fernsehen nicht ausreichend verfolgen. Ich kann Ihnen sagen, wie das Fernsehen in Afghanistan ausschaut, für Deutschland fehlt mir die Basis für ein faires Urteil.

Das Gespräch führte Joachim Huber.


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