Apps für Tabs : Sound und Wischen

Bisher sind Verlage und Sender mit Angeboten für Tablet-PCs zurückhaltend. Das könnte sich nicht nur durch den Start des iPad 2 in Deutschland ändern.

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Den Dingen auf den Grund gehen: Apples iPad 2 verfügt über zwei Kameras, das Programm „Photo Booth“ lädt zu Effekt-Spielereien geradezu ein. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Den Dingen auf den Grund gehen: Apples iPad 2 verfügt über zwei Kameras, das Programm „Photo Booth“ lädt zu Effekt-Spielereien...

Viel zu wischen gibt es in Deutschland bisher nicht. Das liegt in diesem Fall nicht etwa an den Fußböden, sondern an den Verlagen. Erst 30 von rund 350 Zeitungshäusern bieten spezielle Anwendungen (Apps) fürs iPad an, mit denen zwischen den einzelnen Seiten der Zeitungen interaktiv per Wischbewegungen hin- und hergeblättert werden kann. Das sind gerade mal 8,5 Prozent der Verlage. Ein Jahr nach dem Verkaufsstart von Apples erstem Tablet-PC ist Deutschland damit in Sachen iPad noch ein Entwicklungsland. Neue Impulse soll nun das iPad 2 bringen, das seit Freitag in Deutschland verkauft wird.

Dass die Verlage mit ihren Apps bisher so zögerlich sind, hat zwei Gründe. Zum einen ist die Marktdurchdringung noch relativ gering. 15 Millionen iPads weltweit wurden bis Februar verkauft, heißt es bei Apple. Für Deutschland werden keine Zahlen ausgewiesen, doch der Verband Bitkom schätzt, dass bisher etwa 800 000 Tablet-PCs in Deutschland verkauft wurden, wobei davon fast 90 Prozent iPads sind.

Neben dem Musikhören werden die Mini-Computer vor allem zum Video-Anschauen und Zeitunglesen angewendet – künftig immer öfter: Etwa 1,8 Millionen Tablet-PCs werden nach Schätzungen der Bitkom 2011 verkauft. Und je mehr Tablet-Nutzer es gibt, umso mehr lohnt es sich auch für die Verlage, in die kostenintensiven Apps zu investieren. Mit mobilen Geräten wie dem iPad wollen sie durchsetzen, dass Nutzer für Online-Inhalte bezahlen. Doch erfolgreich wird die Strategie nur sein, wenn die Inhalte entsprechend attraktiv sind.

Der zweite Grund für die Zurückhaltung der Verlage ist Apple selbst. Der US-Konzern will, dass Verlage ihre Apps nur noch über den Apple-Store abrechnen dürfen, womit den Verlagen ihr direkter Kontakt zum Endkunden genommen wird. Die Verlage wollen deshalb auch auf Plattformen jenseits von Apple setzen. Der Axel Springer Verlag („Welt“, „Bild“) beispielsweise will seine Apps auch für Android-Geräte anbieten. Ebenso Medienmogul Rupert Murdoch, dessen iPad-Zeitung „The Daily“ schon bald in Deutschland erhältlich sein soll.

Doch nicht nur Printmedien, auch Fernsehsender sind auf dem iPad vertreten. Mit der kostenlosen ProSieben-App können verpasste Sendungen gesehen werden, ebenso mit der 3,99 Euro kostenden RTL-App. Intensiv genutzt werden nach Angaben der Sender besonders Angebote rund um aktuelle Nachrichtenthemen. So wurde die kostenlose App des Nachrichtensenders n-tv 160 000 Mal heruntergeladen, die ebenfalls kostenlose App der „Tagesschau“ bereits 1,3 Millionen Mal. Diese App ist den Verlagen ein Dorn im Auge. Sie werfen der öffentlich-rechtlichen ARD vor, mit ihrem Gratis-Angebot den Wettbewerb zu verzerren.

Mit dem iPad 2 und der stärkeren Verbreitung von Alternativmodellen dürften jedoch auch Verlage und Sender bald weitere attraktivere Apps entwickeln – und mehr Möglichkeiten zum Wischen bieten.

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