ARD : Bundesliga-TV: Wo laufen sie denn?

Mit der Fußball-Bundesliga am Sonntag kann die ARD punkten – gute Programmplanung sieht anders aus.

Markus Ehrenberg

Ein Danaer-Geschenk ist ein Präsent, das sich dem Empfänger als unheilvoll und schadensstiftend erweisen kann. Benannt ist es in Anlehnung an das hölzerne Trojanische Pferd, mit dessen Hilfe die listigen Griechen, die „Danaer“, die Stadt Troja eroberten. Beim Kauf der TV-Übertragungsrechte an den beiden Sonntagsspielen der Fußball-Bundesliga ab der nächsten Saison hat die ARD niemand überlistet. Aber so richtig freuen kann sich der große Senderverbund über das lukrative Recht offenbar trotzdem noch nicht. Dabei läuft der komplette Bundesliga-Spieltag im Free-TV erstmals seit Erfindung der Sonntagspartien nur über den öffentlich-rechtlichen Sender. Die Frage ist nur: Wann? Und vor allem: Wo?

Seit Ende November wissen die Fans, wo und wann sie von der kommenden Saison an Bundesliga-Berichte im Fernsehen schauen können – bis auf die Zusammenfassung der Sonntagspiele im frei empfangbaren Fernsehen. Ab Sommer 2009 hält die ARD für vier Spielzeiten die Free-TV-Rechte an diesen Partien, die künftig um 15 Uhr 30 und um 17 Uhr 30 stattfinden. Normalerweise hat man für solch’ einen Coup einen Programmplan in der Schublade. Die ARD offenbar nicht. Sie hat die Rechte zwar erworben und damit das Deutsche Sport Fernsehen (DSF) verdrängt, das mit seinen vielen Werbeinseln am Sonntagabend Fußball-Fans abschreckte, einen – für die Zielgruppe nachvollziehbaren – Sendeplatz gibt es aber offiziell noch nicht. Ziemlich sicher ist, dass die Zusammenfassungen nicht um 21 Uhr 45 im Ersten gleich nach dem „Tatort“ gezeigt werden. Da läuft „Anne Will“. Der Polittalk wird gerade in einem Superwahljahr nicht abgeschafft oder verlegt werden können. ARD-Programmdirektor Volker Herres präferiert bislang eine Nutzung der Verwertungsrechte in den „Tagesthemen“ um viertel vor elf. Wahrscheinlich ist dann, dass die Berichte der Sonntagspartien zuerst in den Dritten Programmen gezeigt werden. Diese Lösung lassen die Verträge der ARD mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu. Damit würden die Sportsendungen der „Dritten“ vorgezogen und aufgewertet.

Nur: Seltsamerweise scheint sich bei den Dritten Programm kaum jemand so recht über diese Option zu freuen. „Kein Kommentar“, heißt es lapidar beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), der mit seinen sechs Erstliga-Clubs und Fans an Rhein und Ruhr ein besonderes Interesse an einer eigenen Bundesligasendung haben müsste. Der Klassiker „Sport im Westen“ war Anfang 2007 eingestellt wurde, da der Vertrag mit der DFL keine öffentlich-rechtlichen Bundesligabilder vor 22 Uhr 45 zuließ. Eine Sportsendung um elf – das war zu spät für den großen WDR. Definitiv mit einer Erstliga-Bundesligasendung ab der Saison 2009/2010 wird N3 dabei sein. „Die zusätzlichen Partien sind eine Aufwertung unserer Sendung ,Sportclub’ – das wollen wir uns nicht entgehen lassen“, sagt Frank Beckmann, NDR-Programmdirektor Fernsehen. Zu welcher Uhrzeit diese Sendung laufen wird, soll in den kommenden Wochen entschieden werden.

Bedeckt halten sich noch der Bayerische Rundfunk (BR), der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und der RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg). „Bei der Rechteverwertung am Sonntagabend müssen die Karten neu gemischt werden. Sollte dies wirklich so sein, dass wir die Sonntagsspiele vor den ,Tagesthemen’ präsentieren dürfen, würden wir vor Freude in die Hände klatschen“, sagt RBB-Sportchef Hans-Jürgen Pohmann. Egal, wie sich der RBB entscheidet, Fans in der Region müssten nicht auf eine ausgedehnte Bundesligazusammenfassung weit vor den „Tagesthemen“ verzichten. Fast alle Dritten Programme sind bundesweit in die Kabelnetze eingespeist. Die Frage ist nur, ob die jeweiligen Magazine regionale Schwerpunkte setzen (hier mehr Energie Cottbus, dort der HSV) und um 21 Uhr 45 oder um 22 Uhr anfangen. Vielleicht gibt es auch eine bundesweit einheitliche „Sportschau“ im Dritten. Quasi Lierhaus für alle. Eine Lösung sei nur im allgemeinen Konsens aller denkbar, sagt BR-Sprecher Rudi Küffner.

Ein Konsens, der eine außen vor ließe: die parallel im Ersten laufende „Anne Will“. Superwahljahr hin, „Tatort“ her – bei der Frage „Bundesligafußball oder Polittalk?“ dürfte in vielen Haushalten die Antwort klar sein. Für Programmdirektor Herres wäre eine Konkurrenz-Platzierung zu „Anne Will“ aber scheinbar kein Problem. „Da mischen wir uns nicht ein, das ist Sache der Dritten, die dürfen die Rechte nutzen“, sagt ARD-Sprecher Burchard Röver. Die Fußballrechte sollen nicht „gebunkert“ werden, damit Partien exklusiv ab 22 Uhr 45 in den „Tagesthemen“ präsentiert werden kann. Dagegen hätte das Kartellamt keine Einwände, dafür aber der gemeine Gebührenzahler, der nicht versteht, dass die ARD viel Geld für Bundesligaspiele ausgibt, um sie dann spät am Abend zu versenden. Im Grunde genommen wäre das: Verschwendung. Das erinnert an den Fall Harald Schmidt, dessen teurer Einkauf für Außenstehende im krassen Missverhältnis zu den gefühlten ARD-Auftritten steht.

Einigkeit herrscht im allgemeinen ARD-Konzert von Programmdirektoren und Intendanten eher bei einem anderen Thema: Wintersport. Der ist im Fernsehen mit Marktanteilen um die 28 Prozent einfach nicht tot zu kriegen. Über 230 Stunden Schneeetreiben überträgt das Erste in dieser Saison, inklusive der traditionellen Vierschanzentournee, die man von RTL zurückgeholt hat. Was Serienfans am Nachmittag stört – acht Stunden Biathlon oder Skispringen am Stück –, ist für den beim Biathlon federführenden RBB-Sportchef Pohmann nun wirklich ein Geschenk. „Anfangs war mit dem Zuspruch nicht zu rechnen, mit dem Erfolg der deutschen Athleten wie Uschi Disl entwickelte sich Biathlon zum beliebtesten TV-Wintersport.“ Das wird im Sommer aber auch nicht helfen, wenn der neue Bundesliga-Sonntag kommt.

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