ARD-Doku : Denn eins ist unsicher: die Rente

"Die Rentenlüge" ist eine ARD-Dokumentation betitelt, die zeigt, wie sehr die Rente immer eine Frage und eine Fragwürdigkeit der Rentenpolitik war

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Aber sicher. Arbeitsminister Blüm plakatiert sein berühmtestes Versprechen.
Aber sicher. Arbeitsminister Blüm plakatiert sein berühmtestes Versprechen.Foto: WDR/dpa/Peter Popp

Ein Sendetitel soll den potenziellen Zuschauer anlocken, klar. Das Thema soll, es muss ihn interessieren. Eine Dokumentation mit dem Titel „Die Rentenlüge“ ist, so gesehen, ein Schuss ins Tor, weil er impliziert: Jeder, der sagt, die Rente sei sicher, der lügt. Hier, in und mit demFilm von Tom Ockers in der bewährten ARD-Reihe „Akte D“, würden Lüge und Lügner bloßgestellt.

Der Auftakt geht in diese Richtung: Ein Rentner in Hamburg arbeitet in einer Caritas-Kleiderkammer, nimmt schon mal das eine und das andere Stück mit. Muss er, mit monatlich 600 Euro käme er nicht über die Runden, mit zusätzlicher Sozialhilfe geht es. Schon jetzt sollen drei Prozent der Senioren in Deutschland in Altersarmut leben, mit der Generation der Babyboomer in Rente könnte der Satz auf fünf Prozent steigen. Außerdem „bezahlen“ jetzt drei Erwerbstätige einen Rentner, 2050, so eine Prognose, wird das Verhältnis 3 :2 lauten. Die Rente ist sicher?

Der Film geht dann in den historischen Diskurs, und es zeigt sich: Die Rente war immer nur für einen bestimmten Zeitabschnitt sicher und immer war sie von unwägbaren Variablen abhängig, zuvorderst sind wirtschaftliche Entwicklung, Demografie zu nennen – und, ganz wichtig, von politischen Entscheidungen. Autor Tom Ockers arbeitet sehr genau heraus, wie die Rente, wie die Westdeutschen sie seit 1957 kennen, stets ein Wahlkampfthema und mehr als das, nämlich ein wahlentscheidendes Thema, war. Norbert Blüm, von 1982 bis 1998 Bundesminister für Arbeit und Soziales, sagt den entscheidenden Satz dazu: „Sozialpolitik ist auf der dünnen Haut der Menschen geschrieben.“

Auch in der DDR war die Rente Mittel zum politischen Zweck

Auch in der DDR, die die 45 Minuten nicht auslassen, war die Rente ein Mittel zur und ein Zweck von Politik. Was im Westen als „Generationenvertrag“ und als Modell der Umlagefinanzierung begann, wurde über die Jahrzehnte zwar nicht in den Grundfesten erschüttert, zugleich wieder und wieder reformiert, bis heute, da es die staatliche wie die private (Riester-)Rente gibt. Es zeigt sich, dass die Rentenpolitik stets zwei Kardinalfehler begangen hat: Es wurde zu viel versprochen und zuweilen zu viel bezahlt, was zu Mittelknappheit führen konnte, die dann wieder auf direkten Wegen der Beitragserhöhung wie indirekten des stets steigenden Bundeszuschusses ausgeglichen wurde.

Ob diese Rechnung auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten funktioniert? Tom Ockers, der für seinen Beitrag fleißig in den Archiven recherchiert und die notwendigen Politiker und Wissenschaftler vor die Kamera geholt hat, ist für die Zukunft skeptisch. Schon in der Vergangenheit mussten Lösungen wie Notlösungen für eine sichere Rente gefunden werden. Das läuft nicht in einer „Rentenlüge“ zusammen, und doch in der Frage, warum bei der Rente die Sicherheitsfrage immer wieder unsicher wird. Joachim Huber

„Akte D: Die Rentenlüge“, ARD, Montag, 23 Uhr 45

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