ARD-Dokureihe : Legende will er nicht sein

Neue Folgen von der ARD-Dokureihe "Legenden". Porträtiert wird zum Auftakt Joachim „Blacky“ Fuchsberger, der nicht nur über seine Karriere, sondern auch über seine Trauer um seinen kürzlich verstorbenen Sohn spricht.

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Eine Karriere in Hollywood hat Joachim Fuchsberger nicht gereizt. Foto: SWR/WDR
Eine Karriere in Hollywood hat Joachim Fuchsberger nicht gereizt. Foto: SWR/WDRFoto: SWR/WDR/Max Kohr

„Legenden sind eigentlich tot! Und ich leb’ ja noch, ich bin ja noch ziemlich munter!“ Gleich mit dem ersten Satz macht Joachim Fuchsberger, „Blacky“ genannt, seine Haltung deutlich, als ihn Tina Soliman für die neue ARD-„Legenden“-Staffel interviewt, die heute mit dem ersten von vier Teilen startet.

Es klingt ganz so, als wolle sich „Blacky“ Fuchsberger eher ungern als sogenannte lebende Legende betrachten. Am 11. März feiert er in München seinen 85. Geburtstag. Er ist weiterhin umtriebig und unternehmungslustig, er tritt auf, ist neugierig auf die Menschen, und freut sich vor allem dann besonders, wenn sein Publikum jung ist und ihn anspricht. Oft gehe es um die Edgar-Wallace-Filme, sagt er in der Dokumentation. Oft aber auch um Wertvorstellungen. Wenn er etwas weitergeben könne, dann fülle ihn dies aus, das sei seine „Droge der Kommunikation“. Man glaubt ihm das sofort.

Joachim Fuchsberger ist ein Mensch, der mit einer Haltung durchs Leben geht. Seitdem er – in Stuttgart geboren und in Heidelberg aufgewachsen – im Alter von 15 Jahren in den Krieg geschickt wurde als Soldat in der Luftwaffe und mit 18 Veteran und Überlebender des Zweiten Weltkrieges ist, hat er sich als Lebensprinzip geschworen, „unabhängig sein, und nie wieder fremdbestimmt“, wie es im Off-Kommentar heißt. Seine Erfahrungen bringt er auch in eine seiner wichtigsten Rollen ein, die des Gefreiten Asch im deutschen Antikriegsfilm „08/15“ (1954) von Regisseur Paul May, basierend auf Hans Hellmut Kirsts Roman.

Auskunft über ihren Freund und Kollegen „Blacky“ geben in der Dokumentation unter anderem Udo Jürgens, Bastian Pastewka, Ralf Bauer und Karin Dor, die mit ihm in einigen seiner mehr als ein Dutzend Edgar-Wallace-Filmen zusammen spielte und die in Alfred Hitchcocks „Topaz“ (1969) und dem James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ (1967) internationale Karriere machte. Eine Karriere, die auch Fuchsberger in Hollywood angeboten wird, die er jedoch, wie stets in Absprache mit seiner Frau Gundel, ablehnt – ob der vielen Zwänge. Da ist sie wieder, die konsequente Haltung, das Unbeirrbare in ihm.

Als er 1972 bei dem Olympischen Spielen in München als Stadionsprecher im Glaskasten am Mikrofon sitzt, da braucht er dieses Unbeirrbare: Fuchsberger erhält bei der Abschlussfeier die Nachricht, dass ein entführtes Flugzeug mit Kurs auf München flöge. Es gilt, binnen Kürzestem zu entscheiden, was zu tun ist. 72 000 Menschen befinden sich im Stadion.

Doch nicht nur mit dieser Feuerprobe schreibt er mediale Geschichte. Es folgen diverse weitere Rollen in Kinoproduktionen und schließlich, neben 300 Sendungen der Talkshow „Heut’ abend“ (1980– 1991), die große Samstagabend-Show „Auf los geht’s los“ (1977–1986) mit 60 Ausgaben in der ARD. Seine Gästeliste reicht von Sean Connery über Sir Peter Ustinov bis hin zu seinem Freund und Wallace-Partner Klaus Kinski – sein eigener Auftritt im weißen Nachthemd als Wetteinlösung für „Wetten, dass…?“ macht ebenso Furore wie er mit angeblich verbalen Fehlgriffen zunehmend Kritik erntet. Als die Kritik zu heftig und verletzend wird, tritt er ab, beendet die Show und zieht sich mit Frau Gundel in seine zweite Heimat Australien zurück.

Im Oktober 2010 kommt, nach etlichen eigenen schweren gesundheitlichen Schwierigkeiten, sein nur 52 Jahre alter Sohn Thomas auf tragische Weise ums Leben. Fuchsberger zeigt in der Doku seine Trauer, er spricht darüber. Vielleicht ein Schlag, den er und Frau Gundel, mit der er seit beinahe 60 Jahren verheiratet ist, nicht mehr verwinden können.

Es mag seine Haltung sein, die Joachim „Blacky“ Fuchsberger durch die Jahrzehnte hinweg bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt sein lässt. Neben seiner Lebensleistung. Beides verdient Respekt und Anerkennung. Thilo Wydra

„Legenden – Joachim Fuchsberger“, ARD, 20 Uhr 15

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