ARD : Es war einmal eine "Sportschau"

Zu wenige Spiele, zu teuer: Die ARD denkt an ein Ende der "Sportschau" im Jahr 2009. Fällt sie weg, könnte der Sender ein Auge auf die Champions League werfen, deren Rechte 2008 neu verteilt werden.

Joachim Huber
Delling
Der Arbeitsplatz von Gerhard Delling bei der "Sportschau" ist in Gefahr. -Foto: WDR

Fußballfans, schaut die „Sportschau“ so lange, wie es die ARD-Sendung noch gibt! Die Garantie auf diese Samstagabendunterhaltung läuft Ende der Saison 2008/2009 ab. Für die daran anschließenden Spielzeiten wird es eng, sehr eng. Vor der Fortsetzung oder dem Ende der wichtigsten Bundesliga-Zusammenfassung im Free-TV steht die Ausschreibung der Fernsehrechte. Sirius, die Tochterfirma des Kirch-Unternehmens KF 15, wird die Medienlizenzen im Auftrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) in diesem Frühjahr vermarkten. 500 Millionen Euro Erlöse allein für die Inlandsrechte sollen in die Kasse kommen.

An den bisherigen Saisoneinnahmen von 420 Millionen Euro für die DFL ist die ARD via „Sportschau“ mit 90 Millionen Euro engagiert. Allen Intendanten inklusive Sportkoordinator Günter Struve ist klar, dass die jetzige Konstellation – sechs Spiele für den genannten Preis – nicht wieder zu realisieren sein wird. Die Spitzen der ARD diskutieren und erwarten derzeit, womit auch die übrigen Marktteilnehmer vom Pay-TV-Sender Premiere bis zum öffentlich-rechtlichen ZDF rechnen – eine weitere Aufsplitterung des Spieltages. Heute geht die Verteilung so: Freitag ein Spiel, Samstag sechs Partien, Sonntag zwei Begegnungen.

Diese Verteilung auf drei Tage und drei Anstoßzeiten wird mit der nächsten Vergaberunde der Vergangenheit angehören. Die ARD kalkuliert mit folgender Dehnung: Freitag zwei Spiele, Samstag vier Partien, Sonntag drei Begegnungen; und dabei ist es keineswegs ausgemachte Sache, dass ein derartiges Bundesliga-Wochenende nur drei Anstoßzeiten bedeuten muss. Vier Spiele für die „Sportschau“-Highlights statt bislang sechs Partien? Schon da wiegen die ARD-Granden die Häupter. Noch heftiger wird die Kopfbewegung, sollte der Vermarkter Sirius tatsächlich am Samstag ein Livespiel parallel zur „Sportschau“ anbieten (was beispielsweise ZDF-Intendant Markus Schächter nicht ausschließt).

Ein Livespiel, womöglich noch die attraktivste Paarung des Spieltages, wäre ein weiterer Sargnagel für die „Sportschau“. Über die Preisgestaltung ist dabei noch gar nicht geredet worden. Bisher 90 Millionen – künftig 130 Millionen Euro pro Saison? Diese Zahl wird dieser Tage immer wieder kolportiert als „Schmerzgrenze“ des Ersten. In der ARD-Spitze wird diese Summe heftig dementiert. Zwar ist allen klar, dass es zur Inflation beim Preis kommen wird, trotzdem scheint die Neigung gering, für weniger Ware (sprich weniger Spiele) mehr Euros hinzublättern. Die Mitarbeiter der Sportrechteagentur SportA von ARD und ZDF wie auch die Senderchefs der einzelnen Anstalten sind dieser Tage eifrig bemüht, diese Haltung an den Vermarkter und die DFL zu vermitteln. Beiden wird zudem diese „Totlinie“ nicht verschwiegen: Die „Sportschau“ wird nur gesendet bis 20 Uhr, danach ist das Interesse am Fußball erst einmal erloschen.

Gekämpft um die „Sportschau“ wird allerdings bis zum Schluss, wenn auch mit unterschiedlichem Einsatz. Der WDR, die größte und finanzstärkste ARD-Anstalt, macht das Tempo, in seinem Sendegebiet spielen aktuell fünf der 18 Bundesliga-Klubs. Das macht Druck, den der WDR in die ARD und ihre angeschlossenen Funkhäuser weitergibt. Die föderal organisierte ARD bringt die notwendigen Summen für den Einkauf von Senderechten immer im Umlageverfahren auf. Die größte Anstalt zahlt am meisten, die kleinsten Sender wie Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk tragen am wenigsten bei; umgekehrt schlägt bei den „Kleinen“ jede Erhöhung stärker ins Kontor . Noch gibt es in der Runde der Senderchefs darüber keine Verständigung, bis zu welcher Höhe mitgeboten und dann individuell mitbezahlt werden soll. Ein schwieriger Akt, zumal der ARD-interne Finanzausgleich – Reich gibt Arm – gerade neu verhandelt wird.

Wenigstens eine Haltung gilt als sicher: Die ARD als Marktführer im deutschen Fernsehen wird nie und nimmer auf Spitzenfußball verzichten. 2008 werden die Rechte für die Länderspiele, im DFB-Pokal, bei der Champions League der europäischen Klubmannschaften und im Uefa-Wettbewerb auf den Markt kommen. Pokal und Nationalmannschaft, auf diese Highlights wird das Erste nicht verzichten. Fällt die „Sportschau“ weg, dann muss die Champions League her.

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