ARD-Fernsehfilm : Gammelfisch und Blindfisch

„Reiff für die Insel“: Der dritte Teil mit Tanja Wedhorn rauscht in die Nordsee. Welch ein Schiffbruch, welch eine Versenkungsübung guter Schauspieler.

Nikolaus von Festenberg
Katharina Reiff (Tanja Wedhorn) und Bestsellerautor Jonas Mikkelsen (Maximilian Brückner).
Katharina Reiff (Tanja Wedhorn) und Bestsellerautor Jonas Mikkelsen (Maximilian Brückner).Foto: Degeto/Gordon Muehle

Die Schauspielerin Tanja Wedhorn wirkt, wie sich der Zuschauer eine ehrliche Haut vorstellt: geradeaus, trotz beträchtlicher Attraktivität und Blondheit unzickig. Trotzdem immer ein ganz klein wenig umwölkt. Sie ist 2005 tapfer durch die ZDF-Soap „Bianca – Wege zum Glück“ geschritten, bis sie wider alle Schlangen im „Gut Wellinghof“ ihren Oliver errang.

Tanja Wedhorn, so waren sich die Besetzungsexperten einig, hatte sich eine Karriere im seriösen Fernsehen verdient, zumal sie sich öffentlich zu einer einstigen Magersucht bekannt hatte; Wege zum Schicksal und darüber hinweg, so was spürt das Publikum. Mit der Reihe „Reiff für die Insel“ schien sie zu diesem Ziel, dem „reif“ mit einem f, auf gutem Wege.

Besonders in der zweiten Folge der Reihe, „Katharina und der ganz große Fisch“ (2013), sah man die auf eine Nordseeinsel geflüchtete Großstadtaussteigerin und angehende Juristin Katharina (Wedhorn) mit aufmüpfiger Tochter (Lotte Flack) und einer pensionbetreibenden Inselmutter (Eva Kryll) in einem glaubhaften Umfeld. Da wurde ein Grundstückspekulant bekämpft, ein verwirrter Inselpfarrer (Stephan Kampwirth) aufs Witzigste aufgemöbelt und ein schwerblütiger und schüchterner Herzbube (Jan-Gregor Kremp) für der Heldin Herz präsentiert.

Nun steht am Freitag die dritte Fahrt auf die in der Reihe namenlose Nordsee-Insel an. „Katharina und die Dänen“ heißt der auf Föhr gedrehte Film, geschrieben von Marcus Herteneck und inszeniert von Oliver Schmitz („Türkisch für Anfänger“).

Welch ein Schiffbruch, welch eine Versenkungsübung guter Schauspieler.

Makrele im Meer

Harmlos treibt im Vorspann eine in Eis eingeschlossene Makrele durchs Meer. Man freut sich schon auf Fritze Fischers Frische, auf eine schuppig-fröhliche Komödie. Aber dann rauscht das Klo. Menschen wanken zur Toilette. Darunter der Erfolgsschriftsteller Jonas Mikkelsen (Maximilian Brückner). Der verliert beim Kotzen seine Brille. Wir sehen – wie unerbittlich – das alles ganz genau. Nur der sich Übergebende kann nichts mehr sehen. Die Handlung hat einen Gegenstand gefunden, den sie ekelfixiert nicht mehr aufgibt: Gammelfisch, Blindfisch und syne Fru Ilsebill Wedhorn, die wollen muss, was die anderen wollen. Vergeblich sucht Katharina, deren Tochter als Schiffslehrling aus Liebe zum Freund auf dem Kutter mit dem unbekömmlichen Makrelenfang zu tun hat, das Weite. Der peilungslose Dichter ruft sie zurück, benutzt die am Helfersyndrom leidende Blondine als Blindenführerin. Die fühlt sich verpflichtet, aus Solidarität mit dem Restaurant „Düne“, wo Herzbube (Kremp) mit Vater (Dietrich Hollinderbäumer) die Geschäfte führt, den Fall aufzuklären.

Das führt zu weiterer glitschiger Ekelästhetik. Im Kutter des Tochterfreunds – zusammen mit dem Schriftsteller zwecks Recherche eingesperrt – prasseln nicht mehr ganz einwandfreie schuppige Freunde auf den Dichter und seine Begleiterin. Man riecht es förmlich durch den Bildschirm hindurch und hätte es vielleicht verziehen, wenn das weitere Geschehen nicht so absehbar und frei von Pointen an den Strand des Eilands geschwappt wäre.

Vielleicht fürchteten die Macher eine Postkartenidylle. So bieten sie zum faulen Makrelenzauber noch ein paar ranzige Fischbrötchen voll Sentimentalität. Der Dichter hatte es in seiner Vergangenheit nicht leicht – Näheres ist nicht zu erfahren. Die Mutter Katharinas fürchtet sich vor der Langeweile der Gesundheit – man muss sich so einen Drehbuchquatsch einmal vorstellen – und vererbt weiterlebend ihren Betrieb der Enkeltochter. Schadenersatzklagen des Verlags, der ein Werk des Schriftstellers wegen der Fischvergiftung möglicherweise nicht mehr rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft herausbringen kann, werden abgewehrt und die Ursachen für die Makrelensauerei aufgeklärt.

Nur die Schauspielkunst wird weggefischt. Kremp, eigentlich ein Könner mit hintersinnigen Zwischentönen, reduziert sich mangels Drehbuchfantasie auf ein Fischkopfklischee. „Ei,jei,jei“ ist höchster Ausdruck seiner Verwunderung, das Kömkippen die schmale Bühne seine Ausdruckskunst.

Was die schöne Katharina an dem findet, bleibt dem Zuschauer ein Geheimnis. Wedhorn hat den Part der rasenden Helferin. Sie düst meistens mit dem Auto von einem Ort zum nächsten. Wenn sie am Ende mit ihrem Teddybären Thies im Engtanz zu sehen ist, muss es die Erschöpfung sein. Ein intensiver Gefühlsaustausch eher nicht. Schade für Wedhorn: Biancas Wege zum Schauspielerglück könnten noch weit werden.

„Katharina und die Dänen“, ARD, Freitag, 20 Uhr 15

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